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The Vines – Future Primitive

Ja, die gibt´s immer noch. Nur ist die eventuell spannendste Rockband Australiens der Jahrtausendwende mittlerweile so gut wie in der Versenkung verschwunden. Daran wird auch Future Primitives wenig ändern. Ein Album wie ein Teaser  für mediokre Songideen.

Folgen The Vines auf ihrem fünften Studioalbum doch weitestgehend der auf ‚WinningDays‚ noch zaghaft, auf allen weiteren Veröffentlichungen konsequenter verfolgten Liebe zu Psychedelischen Popsongs, auch wenn man sich immer noch als Vertreter der Generation Garagerock präsentieren möchte.
Gimme Love bildet als Opener deswegen fast schon den klassisch irreführenden Rocker härterer Gangart, freilich können die Australier wieder keinen Knockout in der ersten Runde landen. Der Songs nervt vielmehr bereits schneller als er zu Ende ist, was bei unter zwei Minuten Spielzeit schon eine Leistung ist – und dem Album dabei auf seine Art doch wieder einiges vorweg nimmt.
Aber daher Craig Nicholls auf der Bühne offenbar immer noch Songs braucht, um austicken zu können, presst man alibihaft noch weitere Rocksongs auf ‚Future Primitive‚. ‚Wild Animals‚ etwa beginnt vielversprechend, bremst sich schließlich selbst aus und landet schlußendlich irgendwo im musikalischen Nirgendwo. Selbiges gilt übrigens auch für den Titelsong,  ‚Candy Flippin‘ Girl‚ und ‚Black Dragon‚. Missglückte Baukastenrocksongs Galore.

Ansonsten positionieren The Vines ihren Schrammelrock im Angesicht der 1960er Jahre. The Zombies, The Byrds und mehr als alles andere The Beatles.: Wie gerne würden The Vines klingen wie die Vorbilder vergangener Tage. Freilich  gelingt das Unterfangen im besten Fall nur mehrere Güteklassen darunter.
Craig Nichols legt einen psychedelischen Schleier über seine zurückgelehnten Popsongs, packt die Akkustikgitarre markanter in den Vordergrund, als die elektronischen Saiteninstrumente und tatsächlich muss man der Band wieder zugestehen, wie gut ihnen dieses Gewand eigentlich stünde (man höre dafür am besten ‚Autumn Shade 4‚).
Mit dem kleinen Problem, dass Nicholls mittlerweile offenbar endgültig verlernt hat, wie man Songs schreibt.

Diese plätschern beinahe ausnahmslos belanglos nebenher, die Melodien dürfen mit viel gutem Willen als bestenfalls nett bezeichnet werden, Spannungsbögen sind niemals auszumachen. Da weiß man nicht, ob man sich ärgern soll, dass praktisch jeder Song nach der vollendeten zweiten Minute entweder motivationslos ausfadet, in sinnloses Studiogemurmel übergeht oder praktisch gar nichts mehr passiert –  oder man dankbar sein muss, dass schnell Schluss mit dem Spuk ist. Und einem so weitere vollkommen an den Haaren herbeigezogene Elektronikmäzchen (‚All That You Do‚) erspart bleiben oder wie –  im bezeichnenderweise längsten Track der Platte ‚Outro‘ – ebenso zielloser wie ermüdender Bandsalat.

Dass The Vines am Ende beinahe doch noch die Kurve bekommen (‚Goodbye‘ ist eine nette, reduzierte und vor allem wieder einmal verdammt kurze Ballade; ‚S.T.W.‚ der doch überzeugenste Rocker der Platte) macht da kaum noch ein besseres Bild.
Future Primitive‚ ist nicht mehr als die erschöpfende Sammlung unfertiger Songideen, die niemand zu Ende denken konnte. Oder wollte. Was angesichts der permanent verströmenden Langeweile der belanglosen Kompositionen wenig verwundern würde.
Wären The Vines nicht ohnedies schon praktisch weg vom Fenster – spätestens hiermit wäre das Ende der Fahnenstange ohnedies erreicht. Die Australier haben mit wenigen später folgenden Abstrichen bereits 2002 alles gesagt, was Craig Nicholls zu sagen hatte – ‚Future Primitive‚ würde man selbst einer Schülerband nicht anstandslos durchgehen lassen.

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