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Times New Viking – Dancer Equired

Auch wenn man neuerdings im Plattenstudio aufnimmt, ist das fünfte Album der Lo-Fi Rocker aus Ohio immer noch alles andere als ausproduziert.  Aber deutlicher hat man nicht erlebt, was für unverschämte Hitrabauken das eigentlich  sind.

Times New Viking, das sind die, die sich so anhörten, als würden Guided by Voices in der Nachbargarage die Moldy Peaches zu covern versuchen. Vor allem klangtechnisch natürlich. Das war immer derart übersteuert, rauschend und einfach so unfassbar Lo-Fi, wie nur möglich. Kein Wunder, wenn man mal übers Kasettendeck, mal via VHS aufnimmt.
Mit No Room to Live hat man aber offenbar die Vorzüge eines richtigen Studios kennengelernt. So viel Professionalität hat dabei auch den Punkrock Esprit der zwei Buben und der Dame merklich abgekühlt.

Natürlich kratzt auch  Dancer Equired noch immer in den Ohren aller Hochglanz verwöhnten Musikkonsumenten. Das Schlagzeug rumpelt wie im Nebenzimmer aufgenommen, die Gitarren schrammeln dahinter vor, während  der Gesang  penetrant in den Vordergrund drängt. Tummelt sich dann auch noch ein Tasteninstrument im Geschehen, scheint dieses förmlich aus der Anlage zu fallen. Und irgendwie passt das alles wie die Faust aufs Auge und behält dabei dennoch den unwiderstehlichen Times New Viking Charme. Shitgaze, trotz allem. Nur eben mit weniger Noise im Noise-Rock.

Was dabei aber auffällt: Noch nie war es leichter, diese wunderbaren Songperlen zu eruieren, die die Drei da aus den Ärmeln schütteln.
Für kleine Hits war die Band ja immer gut. Diese konkreter auf den Punkt zu bringen als auf Dancer Equired wollten sie bisher aber offenbar nicht. Das mag auch daran liegen, dass sie ihre Songs generell zügeln, nicht mehr permanent von der ersten Sekunde an Vollgas geben müssen und sich einfach mal in ihren wunderbaren Melodien suhlen. Die Hitdichte in 31 verdammt kurzweiligen Minuten fällt dabei geradezu erschreckend hoch aus. No Room to Live, Downtown Eastern Bloc, Don´t Go to Liverpool, Fuck Her Tears,…
wird in absehbarer Zukunft mal verzweifelt nach einem passenden Soundtrack für Juno 2 gesucht, ist Dancer Equired wohl des Problems ultimative Lösung.

Dass man sich gegen Ende schamlos bei prominenten Fremdkompositionen bedient (wurde Want to Exist nicht ursprünglich von Queen und David Bowie geschrieben? Und Somebody´s Slave hat doch als Modern Romance die erste Yeah Yeahs Yeahs Platte Fever to Tell beendet?)?
Vermutlich egal.
Puristen und Genrepolizisten werden in jedem Fall von Ausverkauf schimpfen –  doch braver heißt in diesem Fall keineswegs schlechter, sondern einfach etwas weniger unangepasst. Und immer noch irrsinnig toll.
Da hofft man glatt, dass Times New Viking auf Dauer Gefallen am Plattenstudio gefunden haben.


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