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Trash Talk – Awake

Sacramentos wütende Bande gönnt sich keine Auszeit: In acht Minuten ballern die Mistkübelwerfer um Lee Spielmann fünf Songs aus der Hinterhand, über die die Szenepolizei schimpfen kann, weil das neuerdings auch die Hipster-Fraktion toll findet. Kann einem egal sein: ‚Awake‘ zeigt die Band wie immer in bestialischer Form, nur wo ist der Hardcore hin? Und vor allem: Haben Trash Talk das nicht schon deutlich besser hinbekomen?

Da werden die langjährigen Fans wohl wieder Sturm laufen. Nicht wenige waren ja schon mit ‚Eyes and Nines‘ vom Vorjahr so gar nicht einverstanden. Motzten an den Vocals rum, an der Produktion, am verhältnismäßig ausgebauten Rockgehalt der Songs, ohnedies war alles zu heavy, etc, etc. Dass einschlägige Plattformen das zudem noch richtig gut fanden, war natürlich der Todesstoß für jegliche Kredibilität. Die Split EP zum diesjährigen Record Store Day mit den Indiesurflieblingen Wavves machte die Sache natürlich nicht einfacher für Trash Talk. Aber die scheint ohnedies das einzig richtige zu machen: Keinen Pfifferling auf derartige Diskussionen zu geben und einfach das zu tun, worauf sie Lust haben. Dass Trash Talk mittlerweile  im Rampenlicht stehen, scheint die Amerikaner dabei nicht zu stören, das Bollwerk ‚Awake‚ macht sich jedenfalls keine Gedanken um etwaige Regeln und knallt mal eben im Vorbeigehen einen rotzigen Klumpen Harcore nach dem anderen raus.

Wobei: Hardcore? Nur noch bedingt. Tatsächlich stellt die ‚Awake‚ EP sogar eine nicht unriskante Neujustierung der eigenen Parameter dar. Sicherlich vereinen Trash Talk hier immer noch ihr wütendes Songwriting mit Spielmanns ausgeticktem Geshoute, aus dem Hintergrund gibt Spencer Pollard gelegentlich den Pitbull. Dabei kehrt ‚Awake‘ aber vor allem eines so richtig aus dem Sound der Kalifornier hervor: den Punk-Rock. Heftig, derb und räudig gespielt, nur von „Thrashcore“ darf da mittlerweile keine Rede mehr sein. Permanent auf dem Gaspedal festbetoniert war der Sound zwar ohnedies nie, gemächlicher als auf ‚Awake‚ waren Trash Talk jedoch noch nie unterwegs. Zudem arbeiten die vier Burschen mehr denn je mit erkennbaren Riffs, hetzen in den nur einmal die Zwei-Minuten-Grenze knackenden Songs gewalttätig gar von Hook zu Hook: der Rock ist auf ‚Awake‚ unterstrichen und führt im Titelstück oder ‚Blind Evolution‚ headbangend zur nächsten Bierdose. Da mag ein Song wie ‚Slander‚ auch keine Minute brauchen um zu randalieren – nicht selten wirken Trash Talk auf ‚Awake‚ schaumgebremst, sich selbst einschränkend, wo ist das Feuer hin? Ob es tatsächlich die dezente Neuorientierung ist, das gedrosseltere Tempo oder schlicht die Tatsache, dass Trash Talk einfach schon bessere Songs geschrieben haben – was bitte soll das öde The Stooges Tribut ‚Gimme Death‚? – : es bleibt spannend zu sehen, wie sich die Kalifornier mit jeder Veröffentlichung weiter entwickeln. Auch, wenn dies nicht immer das Beste ist, was der Musik der Band passieren kann.

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