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Trent Reznor & Atticus Ross – The Girl with the Dragon Tattoo

Das Dream-Team hinter ‚The Social Network‘ werkelt wieder zusammen und der Trend bestätigt sich: Trent Reznor bringt mit Spezi Atticus Ross aktuell weitaus bessere Soundtracks als Nine Inch Nails Alben zustande. Ist nach dem Oscar also vor dem Oscar? 

Auch wenn die Allgemeinheit es anders sieht: „Ghosts I-IV“ ist bis heute das beste Nine Inch Nails Album seit ‚The Fragile‚. Und wohl auch allein desegen ein einschneidendes Werk der Industrial Wegbereiter, weil es den Grundstein für Trent Reznors zweite Kariere als Scorekomponist legte – einer, die schon am Beginn jenen Triumph erfahren hat, auf den andere mit dutzenden Filmen hinarbeiten. Wenn Reznor zuerst auch wenig Interesse daran zeigte, nahm er am 26. Februar 2011 deswegen auch gerne den Academy Preis für seine Arbeit an David Finchers Glanztat ‚The Social Network‚ entgegen. Wenig verwunderlich desweiteren, dass Reznor und Ross den eingeschlagenen Weg unmittelbar weiterverfolgen und auch Finchers neuesten Streich untermalen: „The Girl with the Dragon Tatoo“ soll ‚Verblendung‚ neue Facetten abgewinnen. Die entsprechende Marketingkampagne läuft bereits auf Hochtouren, kleine Skandale – wie vorab veroffentlichte Reviews und entblöste Brüste – inklusive. Kann der Film letztendlich halten, was nun der alle Rahmen sprengende Score von Reznor und Ross ankündigt, steht ein neues Meisterwerk aus dem Hause Fincher bevor.

Was jedoch zuallererst auffällt: Reznor und Ross haben Fleißarbeit geleistet, ‚The Girl With the Dragon Tattoo‚ bekommt trotz seiner ohnedies überlangen 158 Minuten einen Score von sagenhaften 173 Minuten oder 39 Songs, verteilt auf 3 CD’s spendiert.
Eingerahmt wird die überbordende Songsammlung dabei von zwei Coverversionen. Die erstere und sicherlich auffälligere der beiden teleportiert Led Zeppelins ‚Immigrant Song‘ in die Zukunft. Die momentan bei gefühltermasen jedem zweiten Projekt beteiligte Yeah Yeah Yeahs Frontfrau Karen O peitscht den aggressiv pumpenden Electrorocker energisch nach vorne, im Lack und Leder Outfit gibt sich die Nummer verrucht, lasziv und gefährlich und kommt um die wichtigste Lektion nicht herum: man kann einen Zeppelin Song zwar verändert, schwerlich aber verbessern. Deutlich geschickter deswegen die Wahl am anderen Ende des Soundtracks: Reznor und Ross knöpfen sich gemeinsam mit Mariqueen Maandig als How to Destroy Angels die Brian Ferry Nummer ‚Is your love strong enough?‚ vor. Eine zwingende Exkursion in Sachen Trip Hop.

Die restlichen Songs kommen ohne Vokals aus, begehen nicht zuletzt dank ‚The Social Network‚ bekannte Wege und sind schlußendlich noch weitaus gelungener als die Coverversionen. Atmosphärisch unheimlich dicht gehalten  spannen Reznor und Ross einen tatsächlich zu jedem Zeitpunkt spannungsvollen Score, dessen drückende Stimmung beizeiten schon Beklemmung verursachen kann. Die Rhytmen kommen vereinzelt und industriell unterkühlt unter den Synthesizerschichten hervorgekrochen, die Beats wabbern unheilschwanger durch die schiefen Melodiefetzen aus verstörenden Klavierpassagen. Ein intensives Klangerlebnis aus einer Welt, in der Industrial als einschüchterndes, dnymisch-kraftvolles Klangexperiment funktioniert. ‚The Girl With the Dragon Tattoo‚ funktioniert dabei als ‚The Social Network 2.0‚; ist die aktuellere, verbesserte und ausgedehntere Version seines Vorgängers.
Es bleibt anzunehmen, dass sich die eindringliche Arbeit von Ross und Reznor abermals perfekt mit den Bildern Finchers ergänzen wird. Wofür es jedoch wirklich den Hut zu ziehen gilt, ist die Tatsache, dass der Score dies nicht zwangsläufig auch muß, um zu funktionieren. Auch ohne den dazugehörigen Film kurbelt der Soundtrack das Kopfkino ordentlich an und fesselt auch nur für sich genommen über die gesamte Dauer seiner dreistündigen Spielzeit. Hätten Reznor und Ross nicht bereits letztes Jahr den Oscar mit nach Hause genommen: Hierfür wären sie abermals in der engeren Favoritenkreis zu zählen.

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Comments (3)

  1. beta17. Januar 2012 Antworten
    super review!
    eine kleine korrektur erlaube ich mir aber 😉 „Vocals on 11, 23, 30, 35 by Mariqueen Maandig“
  2. beta17. Januar 2012 Antworten
    ok ok, ich gebs zu. die sind sehr subtil gesetzt… 🙂
  3. Oliver19. Januar 2012 Antworten
    Ach, Shitgeschichte: Da hätte ich die Credits mal sorgfältiger lesen sollen! Danke für die Richtigstellung! 😀

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