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Trivium – In Waves

Trivium werden es in diesem Leben nicht mehr allen Recht machen können. ‚In Waves‘ ist dennoch der fünfte Versuch diesbezüglich und wieder werden sich die Geister an technisch perfektem Metal scheiden, der sich nicht mehr ganz so sehr am Zeitgeist reibt, wie seine Vorgänger. Was der Vierer aus Florida dabei trotz dramatisch inszeniertem Wellengang außer Augen lässt: Wirklich mitreißend ist das nur bedingt.

Trivium spielen ‚Metal for the Masses‘. Wollten sie immer schon und tun sie nach wie vor. Das hat Mastermind Matthew Heafy auf den beiden Metalcore Selbstläufern ‚Ember to Inferno‚ und ‚Ascendancy‚ deutlich gemacht und mit der Metallica Verneigung ‚The Crusade‚ unterstrichen. Aber selbst dass man für ‚Shogun‚ all die Merkmale von Trivium in einen Topf warf, kräftig umrührte und das konsistenteste Album der Band ausspuckte, konnte die Szenepolizei und den guten Geschmack nicht besänftigen. Heafy und seine Band seien trendaffine Wendehälse, billige Kopisten mit technischen Geschick, zu untrue für Metal allgemein – Fans der Band müssen sich nicht selten erklären. Den um Trivium ominöse intensiv geführten Grabenkampf mag man sehen wie man will, Streitgespräche werden jedoch auch nach ‚In Waves‚ nicht verstummen.  Denn Trivium liefern professionell wie eh und je was der Fan hören will, die geforderte Stellung an der Spitze moderner Metalbands wird nicht aufgegeben.

Vergessen wird dabei auf nichts, was schon immer zu den eigenen Stärken gehört hat: Fetteste Metalriffs, unbestialisches Geschrei und cleane Gesangslinien, die sich gut mit den himmelstürmenden Melodien der Band vertragen – ohne Hits, die sich auch tausende Kehlen  brüllen können, haben es Trivium schließlich noch nie gemacht. Deswegen ist auch ‚In Waves‚ mit derartigen bandeigenen Instanthits ausgestattet: der Titelsong ist ein ebensolcher wie ‚Black‚ oder ‚Caustic Are The Ties That Bind‚. Da brettert das nahezu unmerklich neubesetzte Schlagzeug mit Doublebass Eifer dahin, die Gitarren riffen umeinander her bis der nächste ulktraeingängige Refrainpart beginnt und eventuell ein Breakpart zum Moshen einlädt. Dabei steigern Trivium vorhandene Charakteristika: melodiös heißt nun noch melodiöser, eingängiges wird eingängiger. Die Riffs orientieren sich wieder mehr am Metalcore denn am Thrash, der Härtegrad siedelt sich trotz stellenweisem Gegurgel wie in ‚Dusk Dismantled‚ im braven Mittelfeld ein.

Natürlich wird das einen Großteil der Fanmassen erfreuen, Trivium bleiben sich selbst und den Erwartungshaltungen weitestgehend treu. Viel machen Heafy und Co. nicht anders, als auf ihren bisherigen Metalausritten, allerdings wenig bis kaum etwas so gut wie bisher. Neben einigen Füllern wirken Trivium nicht mehr derartig mitreißend wie zuletzt, Lustlosigkeit dürfte jedoch weniger das Problem sein, als eine gewisse Formelhaftigkeit. Die Band weiß, was sie kann und was von ihnen erwartet wird und bedient diese Vorstellungen mit ‚In Waves‚ nach Belieben. Nicht mehr und nicht weniger. Trivium wirken damit nicht selten wie eine inspirationslose Coverband, die sich auf Trivium-Songs spezialisiert hat. Auf dem fünftem Album liefert die Band damit Freunden wie Feinden wieder genug Munition. Und versorgt auch eine dritte Gruppierung, diesmal exzessiver denn je: Jene, denen Trivium (mittlerweile) schlicht und ergreifend egal sind.


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