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Tyler, the Creator – Goblin

Forget About Dre: Dank multimedialen Hypewahnsinns ist plötzlich das Majordebüt und Zweitwerk eines 19 jährigen Problemkindes das meisterwartete Hip Hop Album des Jahres. Und was macht Goblin? Zeigt alles und jedem den prolligen  Mittelfinger.

Die Underground Hip Hop Posse OFWGKTA Odd Future Wolf Gang Kill Them All – ist also im Big Business angekommen, was auch bedeutet, dass deren Arbeiten nicht mehr nur für lau auf ihrer Homepage zu holen sind, sondern nun auch im Plattenladen um die Ecke. Den ersten Schritt Richtung Rampenlicht macht Odd Future Vorstand Tyler, the Creator dessen zweites  Album via XL Records unters Volk gebracht wird. Jubel, Trubel und Hype gabs vorab schon reichlich, der Feuilleton sucht die Hip Hop Sensation im Jahr der Comeback Alben der Beastie Boys und Dr. “Hulk“ Dre bei einem verhaltensauffälligen 19 jährigen und findet Goblin. Einem Werk, dass sich primär um Daddy Issues, Fucking, Bitches, Fucking Bitches, Zukunftssorgen, Todesfantasien und politisch unkorrektes Allerlei – wie Hitlers Asche – par excellance dreht.

Inhaltlich hat sich trotz Mainstream Eintritt also wenig geändert für Tyler Okonma, der immer noch alles und jeden mit seiner alternsuntypisch tiefen Stimme anpisst und auch gleich noch gegen das ihn anfeuernde Hypebollwerk schlechthin nachtritt: “Oh not again another critic writing report. I’m stabbing any blogging faggot hipster with a Pitchfork“. Das macht deutlich: Hier gibt’s keinen Freund oder Feind, nur die Gangmitglieder der Odd Future. „We are us, they are them“.
Auf Goblin sind das unter anderem altbekannte Weggefährten wie Frank Ocean, Hodgy Beats, Domo Genesis und Left Brain, die mal für R&B Momente sorgen dürfen  mal im Vorbeigegehen aufzeigen, dass die Odd Future Gang doch noch talentiertere Rapper als Tyler in ihren Reihen hat.
Als Rundumpacket zwischen Rapper und Produzent liefert Tyler auf Goblin jedoch wieder eine beachtliche Talentprobe ab. Wie Bastard zeigt Goblin Tyler´s Songs als karg reduzierte Beatgerüste, die dann und wann schier wahllos drauflospoltern und ihre einzige Unterstützung von billigen Synthesizereffekten erfahren. Tyler zielt auch für XL nicht auf Hits ab, gibt sich sperrig und gewollt unzugänglich und pendelt gekonnt zwischen aggressiver Wüterei und relaxtem Schlafwagenmodus.

Paradoxerweise gerade auch weil Tyler sich seinen Undergroundspirit  in die große Plattenwelt mitgenommen hat, krankt  sein Zweitwerk an einer im Hip-Hop Genre ohnedies weitverbreiteten Epedemie.
Goblin ist zügellos, kennt keine Grenzen und brettert selbst in der regulären Version weit über die Stundengrenze hinaus. Value for Money, aber Quantität statt Qualität auf Albumlänge.
Viel zu viel unnötiger Ballast sammelt sich auf Goblin – vordergründig im letzten Drittel.
Boppin‘ Bitch“ und „Bitch Suck Dick“ sind grenzdebil prollige Songs nach denen einem schon der Sinn stehen muss. „AU79“ bremst als unnötiges Instrumental  den ohnedies schon gestockten Albumfluss, während „Window“ ein Paradebeispiel dafür ist, warum es nicht genügen muss, einen lauwarmen Beat unter dröge Keyboardflächen zu mischen und steht mit seinen Acht Minuten Spieldauer stellvertretend für die ob ihrer phasenweise vorherrschenden Eintönigkeit viel zu langen Songs.
Dass mit dem Geniestreich „Yonkers ,“ Sandwiches und „Tron Cat“ die wahrscheinlich massenkompatibelsten und insgeheim auch besten Tracks tatsächlich schon vorab bekannt waren, stört ob der annähernd ähnlichen Qualität der meisten weiteren Stücke weniger als die Tatsache, dass hier potentielles Talent nicht in zielgerichtetere  Bahnen gelenkt wird. Nicht selten hat man das Gefühl, als wären für Goblin halbgare Ideen unter dem Gang-Banner High-fivend durchgewinkt worden. Ein Außenstehender Produzent wäre da wohl nicht die schlechteste Idee gewesen.
Als Talentprobe gereicht Goblin dennoch über weite Strecken als ein vor jugendlichem Übermut strotzendes Versprechen an die Zukunft. Im Rückspiegel ist es wahrscheinlich aber als gutes, aber stellenweise unausgegorene Frühwerk zu betrachten. Noch degradiert das Langzeitmeister wie Dr. Dre aber nicht zum alten Eisen.



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