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Editors – Unedited

Bevor sich die Engländer an die Arbeit für ihr viertes Studioalbum machen, lassen sie die letzten sieben Jahre in Form einer Collectors Box Revue passieren. Unedited nennt sich das schmucke Teil und kommt auf sieben Cd´s und ebenso vielen Lp´s samt hundertseitigem Fotobuch anmarschiert.

Freilich täuscht der opulente Eindruck etwas. Denn jeweils drei Exemplare der zwei Tonträgerformate sind für die regulären Studioalben (The Back Room, An End Has A Start und In This Light and on This Evening) der Band aus Birmingham reserviert. Wer noch kein Werk der Ausnahmeband um Stimmwunder Tom Smith im Regal stehen hat, könnte bedenkenlos zugreifen. Es stellt sich allerdings die Frage, wie viele Gelegenheitskäufer den Weg in den Onlineshop der Band finden, um das nicht im Handel erhältliche und alles andere als billige Sammlerstück zu erwerben.

Unedited richtet sich an kauffreudige Fans der Band, Herzstück der Kompilation ist folgerichtig auch die vierteilige Raritätenkompilation You Are Fading I- IV. Diese vereint nahezu alle B Seiten der Engländer, dazu den raren Record Store Day Song Last Day. Viel Platz wird dem Non Album Track (und Nr. 1 Hit in Belgien!) No Sound But the Wind eingeräumt. Dieser findet sich neben der als Single erschienenen Live Version erstmals auch in der von der kompletten Band eingespielte Version auf You Are Fading wieder. Aus der tieftraurigen Twilight: New Moon Klavierdepression machen  Lay, Leetch, Smith und Urbanowicz einen 8oer lastigen Blade Runner Albtraum.
Soweit, so gut. Leider fehlen allerdings jegliche auf den Singles vertretenen Livetracks, Coversongs, Remixe, Demoversionen (Ausnahme: Camera) oder Akustikperformances. Kompletivsten bleibt also weiterhin nur der mühsame Weg, diese einzeln zusammenzutragen.

Für You Are Fading macht dieser Schritt allerdings durchaus Sinn, wurden die einzelnen Songs doch ungeachtet ihres Entstehungsdatums wild durcheinandergemischt. Die elektronische Finsternis von Songs aus dem Umfeld des 2009er Album In This Light and on This Evening prallt auf den Postpunk aus der Frühphase um The Back Room, dazwischen tummeln sich die epischen Rocksongs, die im Zuge des 2007er Werkes An End Has A Start erschienen. Umso erstaunlicher, dass man es hier trotzdem mit vier durchaus stimmigen, homogenen Gesamtwerken zu tun hat, deren Songs den großen Albumbrüdern in nichts nachstehen.

Bei Interesse kann man simultan zu diesem absoluten Hörgenus noch im ansehnlichen Fotobuch blättern – ein nettes Gimmick für Hardcore Fans. Und mögliche Ablenkung von der Archillesferse des Gesamtpakets: die nicht dem Preis-Leistungsverhältnis entsprechende Verarbeitung des Produktes. Nachdem Unedited aufgrund von Produktionsschwierigkeiten ohnedies schon über ein Monat verspätet versand wurde, lässt die Band schon vor Auslieferung der endlich fertig gestellten Exemplare per E-Mail ausrichten, dass Ersatzaußenhüllen geliefert werden müssten, da sich abermals Fabrikationsfehler eingeschlichen hätten. Dazu kommen noch maschinell beschädigte Einbände der Vinylplatten.

Abgesehen von den außerordentlich gelungenen (wenn auch unvollständigen) Raritätenkompilationen und einem schicken Fotobuch ist Unedited also eine etwas unausgegorene Angelegenheit geworden und macht die Überlegung über den optionalen Downloaderwerb attraktiv.
Leider: Innen hui, Außen pfui.


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