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#Unibrennt 2 – Die Rückkehr der Proteste

Die Unibrennt-Bewegung hat vor ziemlich genau einem Jahr, das Licht der Welt erblickt. Das Wiener Audimax wurde besetzt und ein Forderungskatalog wurde der Regierung übergeben. Die Proteste haben dem damaligen Wissenschafts Minister Johannes Hahn (ÖVP) zusätzliche 34 Millionen Euro für die Universitäten abgeknöpft (ein Tropfen auf den heißen Stein), aber viel mehr haben die Proteste (zuminest zu Beginn) eine Öffentlichkeit erzeugt, die dem gutgenährten Partystudie ein diametrales Bild gegenüberstellt. Zum ersten Mal war den Medien in Österreich klar, dass Studieren doch kein Honigschlecken ist. Die Österreichische Hochschüler_innenschaft trommelte zwar schon seit Jahren, dass über 60 Prozent der Studierenden Arbeiten müssen um sich das Studium zu finanzieren etc. aber erst jetzt schienen das alle verstanden zu haben.

Die Proteste der Studierenden konnten zumindest diesen Erfolg verbuchen. Mit zunehmender Dauer der Besetzungen an mehreren Universitäten in Österreich, schwand aber das Verständnis der Bevölkerung aber vorallem auch der Mitstudierenden. Wem schadet schon eine Hörsaalbesetzung, wenn nicht jenen die darin sitzen wollen um den Lehrbetrieb zu verfolgen. Von der anfänglich relativen breiten Basis aus Mittelbau, allgemein Bediensteten, Gewerkschaften, Linken und Studierenden wurde allmählich ein kleiner Haufen Autonomer und einem Rest der Unibrenntbewegung. Nach der Räumung des Audimax blieb ein übler Nachgeschmack zurück. Die Studierenden waren in zwei Hälften geteilt: Pro und Contra Proteste (gemeint waren wohl eigentlich Besetzungen).

2010 ist alles ein wenig anders. Im Gegensatz zu den Besetzungen 2009 gab es einen starken Schulterschluss zwischen den Universitäten und ihren Studierenden. Grund dafür ist die finanzielle Notlage der Universitäten. Der kleinste gemeinsame Nenner, das Geld, ermöglichte einen eindrucksvollen Protesttag, inklusive Vollversammlungen an fast allen Unistandorten, am 19. Oktober.

Die Einigekeit währte aber nicht lange, denn bei der Frage der Zugangsbeschränkungen scheiden sich die Geister. Nicht nur zwischen Uni-Leitung, Lehrenden und Studierenden, auch innerhalb der Studierenden. Die die es „geschafft“ haben wollen ein qualitätsvolles Studium mit weniger „Mitstreiter_innen“ und kümmern sich wenig um jene die bald schon mit den Zugangsbeschränkungen zu kämpfen haben. Bereits vor der Einführung der Zugangsbeschränkungen für die sogenannten „Massenstudien“ zeigt sich eine große Diskrepanz zwischen dem Bachelor- und dem Masterstudium. Viele schaffen den Sprung nicht, ihnen geht das Geld aus, die Zeit und die Kraft. Die österreichische Lösung ist, überspitzt formuliert, ein abgewertetes Diplomstudium. Aus Angst vor der schlechten Qualität hat man den Bachelor vollgestopft, bringen tut das am Arbeitsmarkt aber gar nichts. Wer was werden will muss den Master machen und wer Glück und reiche Eltern hat schafft vielleicht sogar den PhD.

Ehe diese Diskussion wieder vollends entbrannt ist, kam die Regierungsklausur in Loipersdorf dazwischen. Die lächerlichen 80 Millionen Euro für die Universitäten und die Einführung von Zugangsbeschränkungen stößt alle Protestgruppierungen vor den Kopf. Allen voran natürlich den Studierenden innerhalb der Unibrennt-Bewegung. Enttäuschung und Wut machen sich breit, besonders aufgrund des Kahlschlags im Bereich der Familienbeihilfe. Damit hat niemand im Vorfeld der Budgetverhandlungen gerechnet. So tragisch das für die Betroffenen ist, die Protestbewegung profitiert sicherlich davon. Die Frage ist allerdings ob sie etwas ändern kann, die wiedererstarkte Bewegung.

Sie hat dazu gelernt, die Unibrennt-Bewegung, sie haben erkannt, dass eine erneute Besetzung des Audimax der Bewegung schadet, sie haben ihre Taktik geändert. Unibrennt braucht keinen Hörsaal um agieren zu können. Unterstützt von der ÖH, und gut organisiert durch Web 2.0 will sie unberechenbar sein und laut. Wie die Geschichte ausgeht, wird sich natürlich erst zeigen. Kanzler Faymann und Beatrix Karl wären nicht die ersten hochrangigen Poltiker_innen die angeschlagen durch Studierendenproteste, in andere (gut bezahlte) Milleus flüchten müssen.

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