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Various Artists – Live From Nowhere Near You: Volume Two

Für den zweiten Teil seiner Charity Compilation hat sich Kevin Moyer knapp 8 Jahre Zeit gelassen und holt nun zum ausführlichen Rundumschlag aus: 73 Songs mit über 210 Minuten Spielzeit versammelt ‚Live From Nowhere Near You: Volume Two‘. Quantität und Qualität gehen hier nicht nur Hand in Hand: Diese Compilation ist wahrlich ein feuchter Traum für Indierockfans!

Und dabei auch noch aus noblen Beweggründen entstanden, denn das Konzept hinter ‚Live From Nowhere Near You‚ ist ebenso simpel wie brilliant: Moyer stöbert talentierte Straßenmusiker auf, nimmt mit diesen auf oder lässt gleich professionelle Musiker bekannter Bands mit diesen zusammenarbeiten. Die Idee dazu kam mehr oder minder zufällig: „Ich saß nach irgendeinem Konzert vor einem Club, wartete auf meine Freunde und setzte mich zu einem großartigen Straßenmusiker. Er war besser als die Band, die wir eben noch gesehen hatten, und all diese ‚Musikfans‘ verließen das Konzert mit ihren 20-Dollar-Merch-T-Shirts unter dem Arm und ignorierten diesen Typen, der gerade vor ihren Augen umsonst spielte.“ so Moyer.  Deswegen nahm der ambitionierte Mann ein Charity Projekt in Angriff, packte zu exklusiven Aufnahmen noch haufenweise rare und unveröffentlichte Songs namhafter Musiker und fertig war des Compilationpaket, dessen Reinerlös wieder an obdachlose Jugendliche geht. Löblich ist das – und in seiner zweiten Runde beinahe jeden Rahmen sprengend:

3 CD’s hat Moyer diesmal vollbekommen, dazu noch 8 Bonus Download Songs. Trotzdem lautet die Devise: Qualität trotz Quantität. Natürlich schwankt die Klasse der vorhandenen Tracks, tatsächliche Ausfälle finden sich aber so gut wie keine auf ‚Live From Nowhere Near You‚. Egal ob Hip Hop, Indierock, Instrumentale Soundscapes oder Postrockanleihen – Moyer zimmert aus dem vorhandenen Material ein homogenes Ganzes, dass man ein praktisch ohne Skip Taste anhören kann. Käme diese ins Spiel, bestünde ohnedies nur die Gefahr eine potentielle Killerband zu verpassen. Die Probe aufs Exempel?
Modest Mouse sind mit ‚Dead End Job at the Dead Letter Office‚ aus der Zeit präsent als Isaac Brock’s größte kleine Indierockband der Welt noch die Klassenbesten im Built to Spill verehren waren. Wilco bezaubern mit ‚Someday Some Morning Sometime‚; der Black Rebel Motorcycle Club steuert eine Demo von ‚River Styx‚ bei; von Elliott Smith wird ‚The Real Estate‚ ausgegraben; Menomena`s Danny Seim liefert als Lackthereof den Schlafwagenhit ‚The Columbia‚; James Mercer musiziert ohne die Shins oder Broken Bells ebenso solo wie Steve Wilson von Porcupine Tree; Brent DeBoer von den Dandy Warhols ist auch  alleine unterwegs und spielt dann mit seiner Band auch noch eine Kollaboration mit dem Portland Elvis ein.

Eben diese Kollaborationen sind das vielleicht größte Schmankerl, das ‚Live from Nowhere Near You‚ in Peto hat: Neben zahlreichen superben Zusammenarbeiten mit unbekannten, talentierten Musikern bilden sich hier auch Konstellationen, die einem alleine aufgrund der beteiligten Künstler den Mund wassrig machen dürfte:
Bright Eyes und Britt Daniel von Spoon machen gemeinsame Sache; Corin Tucker von Sleater-Kinney, Kevin und Anita Robinson von Viva Voce und Chris Funk von The Decemberists spielen als Blue Giant; Neil Gust, Elliott Smith, Jim Talstra und John Moen (ebenfalls: The Decemberists) nennen sich No. 2; Stone Gossard und Mike McCready von Pearl Jam, Pete Droge, Chris Friel, Cole Peterson bringen ‚Shame On You‘; Gang of Four Mann Dave Allen, Danny Seim (Menomena), John Askew, und Adam Gnade firmieren unter dem Bandnamen Faux Hoax. Und als Tüpfelchen auf dem i: Eddie Vedder und Steinzeitqueen Josh Homme machen es mit den Strokes.

Dazwischen immer wieder Kevin Moyer, der alleine oder mit Unterstützung den roten Faden durch diese wunderbare Compilation zieht. Dem das Kunststück gelingt, nicht nur eine unfassende Songsammlung vorzulegen, sondern auch ein in sich stimmiges Gesamtwerk. Der kreative Aspekt hält dem karitativen die Waage, Kevin Moyer und seinen Freunden gelingt damit ein seltenes Kunststück: Eine Compilation auf die Beine zu stellen, bei der Maße Klasse nicht ausschließt, die vertretenen großen Namen mehr sind, als bloße Aufmerksamkeitsgarantien für mittelprächtige Flickwerke. ‚Live from Nowhere Near You: Volume Two‚ ist ein zusammengeschraubtes Stückwerk, dass als homogenes Beinahe-Vier-Stunden-Album nicht in die Knie geht und damit nicht nur Sammler und Kompletisten eine Freude bereiten wird. Die Motive ehrenhaft, die Ausführung meisterlich. Respekt.

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