Neonliberal.at

Neonliberal.at

Various Artists – Rave On Buddy Holly

„The Day the Music Died“ ist nun schon über 50 Jahre her: Charles Hardin Holley verstarb damals gerade einmal 22-jährig. 2011 hätte diese Ikone der Rockmusik ihren 75er gefeiert, nun übernehmen das eben Andere. Das musikalische Vermächtnis von Buddy Holly zelebrieren allerlei Jungspunde und auch ein paar Vertreter der alten Garde – freilich nicht als Rave. Das Ergebnis ist ein durchwegs gelungenes Tributalbum.

Puristen mögen dass anders sehen, doch ‚Rave On Buddy Holly‚ macht seine Sache beinahe ausnahmslos gut. Dass bei einer Tributsamplergeschichte wie dieser die Qualität der einzelnen Beiträge variiert, muss wohl nicht mehr extra erwähnt werden – dass sie sich jedoch weitestgehend in derart gehobenen Maße bewegt schon. Freilich: Gewinnen kann man schwer gegen die Originalversionen der Ausnahmeerscheinung Buddy Holly, neue Facetten abwringen lassen sich die Kompositionen allerdings schon. So sind es vor allem die aus dem Rahmen fallenden Interpretationen, die als klare Lieblingsgäste dieser Geburtstagsparty von dannen ziehen:

Cee-Lo Green macht aus ‚(You’re So Square) Baby, I Don’t Care‚ eine funky Calipsopopsause; Jack White zimmert seiner Exfrau Karen Elson die polternde Countryhatz ‚Crying, Waiting, Hoping‚; ‚True Love Ways‚ wird zum Breitbandtränendrüsendrücker, mit dem My Morning Jacket zeigen, dass sie momentan einen Lauf haben. Fiona Apple und Jon Brion spinnen aus ‚Everyday‚ eine sehnsüchtig verträumte kleine Popnummer, die so auch Brion´s Soundtrackauftragsarbeiten gut stehen würde. Modest Mouse stampfen hackenschlagend durch ‚That’ll Be The Day‘ und alleine Isaac Brook´s Stimme ruft in Erinnerung, dass die Typen eigentlich auch schon wieder viel zu lange weg sind. ‚Not Fade Away‚ von Florence + The Machine ist eine grandios bluesgetränkte Pseudojazzvariation und wie sehr die Detroit Cobras Buddy Holly verinnerlicht haben, dürfen sie mit dem kurzweiligen Rocker ‚Heartbeat‚ mehr als deutlich zeigen.  Trotzdem steht das alles von Anfang an im Schatten der Black Keys, die gleich zu Beginn ‚Dearest‚ gefühlvoll den Soul überziehen und den Song aufs Wesentliche reduzieren. Beängstigend, in welch sensationeller Form sich die zwei Bluesbrüder ein ums andere Mal präsentieren.

Aber nicht nur die Jugend, auch ältere Semester geben sich bei der turbulenten Sause die Ehre: Pattie Smith weiß gefühlvoll um die ‚Words of Love‚. Nick Lowe wagt sich mit dem Rockabilly  ‚Changing All Those Changes‚ nicht allzuweit aus dem Fenster und bewegt sich trotzdem/deswegen auf der sicheren Seite. Und Graham Nash darf mit ‚Raining in my Heart‚ den gelungenen Folkpopschlußpunkt setzen,  zwischen Klavierballade und Mundharmonikafriedfertigkeit große Gefühle provozieren.
Sehr fein, das Alles. Oder besser: beinahe, denn ein paar Schwachpunkte leistet sich ‚Rave On Buddy Holly‚ dann doch. Womit jetzt nicht zwangsläufig der ungeladene Kid Rock gemeint ist. Der zieht sich mit ‚Well All Right‚ noch eindruckslos aus der Affäre, und hinterlässt dabei einen ebenso egalen aber keineswegs negativen Eindruck, wie dies auch Jenny O., She & Him oder John Doe tun. Aber Lou Reed´s knölig eingegranteltes ‚Peggy Sue‚ wäre dann nicht unbedingt nötig gewesen. Und  dennoch macht der New Yorker seine Sache noch besser als Sir Paul McCartney, der für ‚It´s so Easy‚ Hamburger Tage wiederzubeleben versucht und sich mit seiner schaumgebremsten Bretterversion doch etwas verzettelt, nicht nur hinsichtlich der Songlänge. Sogar Julian Casablancas verzerrte Interpretation des titelgebendes Stückes funktioniert da auf skurrile Weise noch besser.

Zurück bleibt damit ein Tributalbum mit einem überwiegenden Teil an gr0ßartigen Verneigungen; mehr als das jedoch die aufgefrischte Erkenntnis, dass der „Tag an dem die Musik starb“ zwar im konkreten Fall vier Menschenleben forderte – neben Buddy Holly starben bei dem Flugzeugabsturz in Iowa auch Richie Valens, Jiles Perry “ The Big Bopper“ Richardson sowie der Pilot Roger Peterson – die Musik des Hornbrillenträgers jedoch bis heute kaum etwas von ihrer Unmittelbarkeit verloren hat. Eine Compilation als Lehrstück: fabelhafte Musik kennt kein Ablaufdatum.

[amazon_link id=“B004YGRHXY“ target=“_blank“ ]’Rave on Buddy Holly‘ auf Amazon[/amazon_link]

Add a comment

Comments (2)

  1. Pingback: Wo bleiben eigentlich die Nachfolger zu.... - HeavyPop.atHeavyPop.at 7. September 2012 […] Indierockschlachtschiff der Welt wieder in See stechen lassen wird, trotz vielversprechender Samplerbeiträgen und einer lange zurückliegernden, resteverwertenden EP-Sammlung (‘No One’s First, and […]

  2. Pingback: Wo bleiben eigentlich die Nachfolger zu.... - HeavyPop.atHeavyPop.at 7. September 2012 […] Indierockschlachtschiff der Welt wieder in See stechen lassen wird, trotz vielversprechender Samplerbeiträgen und einer lange zurückliegernden, resteverwertenden EP-Sammlung (‘No One’s First, and […]

Add a comment

Finde uns auf Facebook