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Veronica Falls – Veronica Falls

Vier blutjunge Buben und Mädchen aus London wirbeln durch ein Dutzend an schicken Twee-Pop Songs. Veronica Falls haben nicht nur ein stilbewusstes Auftreten, sondern auch das dazugehörige sichere Händchen für unumwunden verträumte Hits: zwölf punkige Rocksongs in Watte verpackt.

Bei dem gemischtgeschlechtlichen Gespann von Veronica Falls drängen sich Mutmaßungen förmlich auf. Etwa, dass die Bandmitglieder sich sicher allesamt für The Pains of Being Pure at Heart begeistern können, mehr für deren Debüt als das diesjährige ‚Belong‚. Das muss man einfach annehmen, so wie Roxanne Clifford und James Hoare den traumhaften Wechselgesang regelrecht feiern, sich gegenseitig immer tiefer in harmonische Melodiewolken ziehen, während sie ihre Musik damit Richtung Shoegaze blicken lassen. Natürlich dürfte denen auch irgendwann jemand My Bloody Valentine nahe gelegt haben, muß einfach so sein. Die Pixies werden die Londoner auf der Landkarte gesucht haben und die direkte Entfernung bis nach Boston nachgemessen haben – sowas ist ja interessant, wenn man stellenweise klingt, als hätten die Vivian Girls der Indie-Rock Legende Tribut gezollt. Mit all diesen Hooks und Melodien und eingängigen Killerrefrains, denen Veronica Falls immer einen schmackhaften Tritt hinterher geben, ihrem astreinen Pophits eine beinahe punkige Kante abringen. Allein dadurch, dass das Schlagzeug mit einem gehörigen Wumms gespielt wird, die Gitarre aggressiv geschrammelt wird – wie Veronica Falls dabei trotzdem derart verspielt und schlichtweg herzig klingen können, bleibt wohl ein Betriebsgeheimnis und hat eventuell damit zu tun, dass hier immer eine Nebelwand zwischen Musik und Hörer aufgefahren zu werden scheint. C86 nennt man sowas anscheinend.

Den Rest könnte ganz einfach das offenbar mit der Muttermilch aufgesaugte Melodieverständnis richten – oder die Lehrjahre der Musiker als The Royal We und Sexy Kids. Natürlich hat man hier unzählige Referenzen parat, Veronica Falls machen jedoch genug richtig, um als eigenständige Band aufzutreten, die noch dazu ausschließlich Hits in peto hat. Die Musik strampelt mächtig nach vorne, immer der nächsten Hookline entgegen, während der hohe Gesang phasenweise gespenstisch verschwimmt, sich damit begnügt die Songs zu streifen und plötzlich doch vehement im Vordergrund steht – immer wieder gerne durch reichlich Backgroundgesang angefeuert. Mit ein Grund, warum Veronica Falls trotz dem stampfenden Indierock, dem hymnischen Twee-Pop immer auch Richtung Dream-Pop blicken: am eindringlichsten zum Tragen kommt dieses einnehmende Feuerwerk im ruhigsten Moment, wenn der Titel-/ bzw. Bandsong zum wunderschönen Gitarrenpop mutiert. Reduzierte Gitarren schrammeln , der Bass grummelt irgendwo ganz hinten und das Schlagzeug rumpelt zum eindringlichsten Song der Platte: Die Melodie geht Hand in Hand mit zuckersüßen Harmonien und schon ist der Spuk wieder aus.

Denn wenn Veronica Falls eines richtig machen, dann, dass sie sich genau so lange mit einem Song beschäftigen, wie er es verlangt. Keine Idee wird über Gebühr strapaziert, weswegen die Platte auch in sportlichen 36 Minuten ins Ziel einläuft. Die Highlights herauszufiltern ist praktisch unmöglich: Von ‚Found Love in a Graveyard‚ bis ‚Come On Over‚ geben sich hier tatsächlich ausschließlich Ohrwürmer und Konsenssongs die Klinke in die Hand, dass mitunter ‚Bad Feeling‚ und ‚Beachy Head‚ als Singles gewählt wurden, darf als ebenso willkürlich wie repräsentativ angesehen werden. ‚Veronika Falls‚ ist gleichermaßen eine perfekt am Zeitgeschehen ausgerichtete, trendbewusste Schrammelrockplatte, wie eine die Genrevorgaben perfekt bedienendes Popglanztat, die tatsächlich näher dran ist, dem angebrochenen Hype darum standzuhalten, als es ähnlich geartete Bands wie den Dum Dum Girls oder Crystal Stilts gelungen ist. Für den Rest ein unterhaltsames Indie-Rock Zuckerstück für einsame Regentage und sonnige Nachmittage, für Twee-Fans eventuell gar die Platte des Jahres. Und darüber hinaus. Denn auch diesbezüglich drängt sich eine Mutmaßung förmlich auf: Von Veronica Falls sollte man noch einiges hören.

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