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Guillemots – Walk the River

Die vier Engländer um Fyfe Dangerfield haben nach einem  gründlich misratenem Zweitwerk so Einiges gut zu machen. Walk the River sucht deswegen den Weg zurück zum magischen Debüt. Das Ziel kommt dabei allerdings bloß in Sichtweite.

Through the Windowpane war ein Geniestreich von einem Debütalbum. Alles, was man sich nach den großartigen Vorabveröffentlichungen erhoffen durfte, überbot dieses wunderbar majestätische Album mit Leichtigkeit. Das war und ist geradezu magische Popmusik von Welt für ein neues Jahrtausend.
Der Nachfolger konnte da eigentlich nur enttäuschen, langte dann aber unerwartet derb in die Vollen: Red klang nach unterdurchschnittlicher Danceparty in den späten 80ern, der Fokus lag nicht auf guten Songs, sondern auf einer penetrant übersteigerten Produktion.
Of the Night war der Bote dieser Entwicklung gewesen: Die Interims EP barg den Keim des Verderbens, war die Geburt des „Wir-Gefühls“ im Songwriting – doch der Niedergang der Band als aussichtsreichster Kandidat für die Geschichtsbücher der Popmusik jüngeren Datums.
Dass Guillemots ihren basisdemokratischen Ansatz schnellstmöglich wieder über Bord werfen sollten, dafür war spätestens Fyfe Dangerfield`s rundum tolles Solodebut Fly Yellow Moon eigentlich Beweis genug.

Walk the River sucht deswegen den Anschluss zu Through the Windowpane, verabschiedet sich (nahezu aber) nicht vollends von jeglichem 80er Brimborium, versetzt die Akzente aber weg vom kruden Songmüll mit übertriebener Produktionstricks.
So  marschieren Guillemots großteils herrlich dezent durch den River, schleichen mit schüchternen Stücken, als ginge es darum auszukundschaften, wie viel Zuneigung ihnen noch entgegenschlägt.
Durch die Entschlackung der Songs gelingt die Konzentration auf die eigentlichen Qualitäten der Band. In den leisen Momenten  ist das dies Melancholie, betörend und wie von einem anderen Stern. Geht die Band einen Schritt weiter, werkelt sie an hymnischen Popkleinoden und versucht  diese Ihren allumarmende Poparrangements wiederzubeleben. Dancing in the Devil´s Shoes etwa wählt den Mittelweg und reicht damit gar annähernd an dringliche Momente der Vergangenheit heran. Die zukunftsweisenden Momente finden Shoegazing (Yesterday is Dead) und verstehen sich prächtig.

Der letzte Schritt Richtung alter Größe will dabei aber nicht vollends gelingen. Für Walk the River geben sich die Songs mit ihrer vorhandenen  Klasse zufrieden, suchen nicht mit letzter Konsequenz nach der Genialität, die diese Band einst ausmachte. Den schmalen Grat zwischen Gewollt und Erzwungen, den wollte man vielleicht nicht überschreiten, dazwischen aber droht Walkt he River beinahe zu verhungern. Ja, das  klingt immer gut, immer nett,  immer toll –  aber  niemals wirklich atemberaubend.  Stets bleibt der Eindruck, da wäre doch mehr möglich gewesen.
Fraglos – das dritte Guillemots Werk  ist ein gutes Album geworden; versöhnlich und vor allem das Lebenszeichen einer bereits abgeschriebenen Band. Allerdings auch mehr Rehabilitierung und neuerliche Großtat,

Seine Vorgänger sind für Walk the River dabei gleichermaßen Licht wie Schatten, die dem Album dabei eine undankbare Rolle zukommen lassen:
Als Nachfolger zum Debüt wäre Walkt he River eine mittelschwere Enttäuschung gewesen.
In den Fußspuren von Red kann das Drittwerk aber mehr als nur überzeugen. Das hat wieder so viel von den Guillemots der Anfangstage, die man schon verloren geglaubt hat.
Aber magisch – das sind sie dabei nicht mehr.

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Comments (1)

  1. Pingback: Guillemots - Hello Land! - HeavyPop.atHeavyPop.at 16. Mai 2012 […] sogar freizügig die zehn Minuten an. Ein Sinnbild für die berits auf ‘Walk the River‘ betriebene, positive Rückschrittlichkeit. Man wirft das erstickende Korsett ab, dass sich […]

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