Neonliberal.at

Neonliberal.at

Foo Fighters – Wasting Light

Dave Grohl hat genug davon, der Tom Petty der Generation Grunge zu sein.
Für das siebte Foo Fighters Album holte er alte Weggefährten an Bord – und spielt endlich wieder ein rundum tolles Rockalbum ein.

These are my famous last words! My number’s up, bridges burned!“ skandiert Grohl gleich in den ersten Sekunden der ersten Foo Fighters Platte seit drei Jahren und löst damit das Versprechen ein, das White Limo vorab gegeben hat. Nach knapp sechs Jahre in der musikalischen Grauzone zum Altherrenrock beweisen die Foo Fighters, das sie noch nicht zum alten Eisen gehören. Wasting Light erinnert daran, warum man diese Band auch über die Phasen mediokrer Platten hinweg im Herzen behalten hat. Das hat nichts mehr mit dem gemächlichen Plätschern der Vorgänger gemein – die Foo Fighters haben endlich wieder Eier.

Damit rechnen durfte man freilich nicht unbedingt. Für ein paar wenige Killertracks pro Platte waren die Mannen um Grohl immer gut und seit One by One hat noch jede Vorabveröffentlichung auf eine falsche Fährte hinsichtlich der Qualität der darauf folgenden Platte geführt. Natürlich war White Limo nüchtern betrachtet nur halb so wild wie sein Videopendant mit Lemmy als fragwürdiger Chauffeur in der Hauptrolle. Da täuschte das an Chino Moreno gemahnende Gebrüll Grohls schon mal über den sich wild gebärdeten, jedoch grundsätzlich in Zaum gehaltenen  Song hinweg. Nichtsdestotrotz klang das soviel energetischer und als das Tom Petty Ripoff Wheels, Erwartungen wurden geweckt.

Wasting Light enttäuscht diese nicht, auch wenn White Limo der aggressivste Ausbruch der Platte bleibt. Die restlichen zehn Songs siedelt Grohl im Midtempo Bereich an, steckt schmissige Radiorocker in ein doch ruppigeres Soundkostüm, als man das in den letzten Jahren von den Foo´s gewöhnt war. Großen Anteil daran hatte auch Produzent Bitch Vig, der es immer noch versteht eingängige Rocksongs als geerdete Hochglanzproduktionen mit aufgekrempelten Ärmeln auszuleuchten. Das tat er schon vor knapp zwanzig Jahren, als er Nirvana´s Nervermind in die Umlaufbahn schoss. Damit nicht genug, kommt es auf Wasting Light sogar beinahe zur vollständigen Reunion aus den damaligen Haydays, wenn Krist Novoselic das Studio entert, um am emotionalen Höhepunkt  der Platte mit dem Akkordeon miteinzusteigen. I Should Have Known zeigt, wie gut es funktionieren kann, wenn die Foo Fighters einen Gang zurückschalten, große Gefühle erzeugen ohne die theatralische Geste zu erzwingen oder  ihren knackig unkomplizierten Drive zu vernachlässigen.

Den verlieren die durch den als zusätzlichen Gitarristen zurückgekehrten Pat Smear (The Germs, Nirvana, Foo Fighters) verstärkten Veteranen ohnedies nicht mehr aus den Augen. Druckvolle Riffs und Grohl´s energisch eindringlicher Gesang peitschen Wasting Light nach vorne. Entlang der Leitlinie von bissigen Alternative Rock, vor dem auch Bon Jovi Fans keinerlei Angst haben müssen,hin zu elf grandios eingängigen Rockradiostammgästen, die mit genug Feuer unterm Hintern jedem bierseligen Festivalbesucher ein Glänzen in die Augen zaubern dürften. Bei so einer unerwartet hohen Zahl an mehr als nur soliden Songs übersieht man auch gerne mal, dass Grohl offenbar etwas zu sehr Blut geleckt hat, jeden Song über Dauer ausreizt.  Das bleiben zwölf potentielle Foo Fighter Instant Hits und erstklassige Rocksongs ohne Schnörkel. Obligatorisch, dass Wasting Light dabei demonstrativ auf jedwede Ballade verzichtet.

I’m learning to walk again. I believe I’ve waited long enough. I’m learning to talk again!“ schreit Grohl der Welt entgegen. Man fühlt es zu jeder Sekunde, wie gut sich Wasting Light für den meistgeliebten Mann des Rock anfühlen muss. Die Foo Fighters, wie man sie einst lieben gelernt hat, sind wieder da.
Ihren Zenit hatten die Mannen um Dave Grohl wohl unwiederbringlich vor der Jahrtausendwende, Wasting Light knüpft jedoch weitestgehend an alte Zeiten an.
Immerhin das beste Foo Fighters Album seit zwölf Jahren.

[amazon_link id=“B004LUHQ1G“ target=“_blank“ ]Wasting Light auf Amazon[/amazon_link]

Add a comment

Comments (1)

  1. Pingback: Foo Fighters - Concrete and Gold - HeavyPop.at 21. September 2017 […] Plateau durchatmet. Für einige Augenblicke scheinen die Amerikaner hier sogar vor der Garage von Wasting Light anzukommen, auch wenn das letzte schweißtreibende Quäntchen an packender Intensität nicht […]

Add a comment

Finde uns auf Facebook