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We Were Promised Jetpacks – In The Pit Of The Stomach

2009 ritterte ‚These Four Walls‘ um den Titel des besten Indie-Rock Album des Jahres. Für nicht Wenige dürften die praktisch aus dem Nichts aufgetauchten Schotten diesen Kampf damals gewonnen haben. Ob sie 2011 den Titel mit ‚In the Pit of the Stomach‘ wieder nach Edinburgh beziehungsweise Glasgow holen können, scheint unwahrscheinlich. Für einen Platz an der Sonne reicht es jedoch spielend.

Dabei fängt ‚In the Pit of the Stomach‚ mindestens so brillant an, wie das Debütalbum geendet hat: ‚Circles and Squares‚ ist ein Monster von einem hibbeligen Rocksong; verhackelt, aufbrausend und eingängig, dass die Hälfte reicht. Da möchte man der Band schon nach fünf Minuten gratulieren, den famosen Vorgänger übertroffen zu haben. Außerdem weiß man da bereits, was We Were Promised Jetpacks gemeint haben, als sie sich unzufrieden über ‚These Four Walls‚ geäußert hatten: “In the Pit of the Stomach‚ bricht in aller Wucht förmlich aus den Boxen, einen derart bombastischen Sound hat die Platte spendiert bekommen, ist zielstrebiger, direkter, kompromissloser. In entsprechender Lautstärke explodiert einem da möglicherweise schonmal die Anlage. Natürlich hört sich eine dynamisch produzierte Platte anders an, wirklich sauber ist das nicht, aber Spaß machts trotzdem irgendwie irrsinnig und ist zudem näher am Livesound der Band. Im Grunde nur eine Randnotiz, unterstreicht die Produktion allerdings fatalerweise auch die kleinen Makel der Platte.

Medicine‚ und ‚Through the Dirt and the Gravel‚ allerdings erst einmal : ‚This Is My House, This Is My Home‚ oder ‚Ships With Holes Will Sink‚ werden nicht die größten Hits der Band bleiben – die zwei Stücke pumpen derart begierig auf die Tanzfläche, wollen mitgegröhlt und geklatscht werden. Vor allem zweiteres, denn: Dem Drang, permanent den Discobeat auszupacken und punktgenau mitzustampfen, dem können We Were Promised Jetpacks auf Platte immer noch nicht widerstehen und frönen dem enervierenden Muster der unbedingten Tanzbarkeit nach Herzenslust und damit deutlich über Gebühr. Live wird das vermutlich die Stimmung zum Kochen bringen, auf Platte aber wirken die zehn Songs am Stück gehört gerne einmal zu gleichförmig. Dass ‚These Four Walls‚ abwechslungsreicher und vielschichtiger war, kann ‚In the Pit of the Stomach‚ jedenfalls nicht verbergen. Eben auch wegen seiner Produktion verwischt das Zweitwerk der Band so jedoch oftmals zu klanglichem Einheitsbrei. Dass die Band ihre Songs grundsätzlich ohnedies noch stärker in die Breite zieht als bisher und ‚In the Pit of the Stomach‚ vielleicht gerade wegen seines Sounds viel homogener wirkt als der Vorgänger, steht da auf einem anderen Blatt.

Die tatsächlich schwachen Stücke lassen sich dabei mit der Lupe suchen. Gut: Im Mittelteil geht der Platte ein wenig die Puste aus, ‚Act on Impulse‚ etwa nervt gar in seiner gut gemeinten sphärischen Schwebephase samt permanent wiederholter Textzeile grandios, bevor das nur noch ermüdende fünfeinhalb Minuten sind. Dafür fahren We Were Promised Jetpacks zwischen ‚Sore Thumb‚ und ‚Pear Tree‚ wieder derart wunderbares Songwriting auf, für das man die Band ins Herz geschlossen hat. Das hat große Melodien; schwelgende, epische Breite die beinahe nach Post-Rock ruft und verständlich macht, warum ‚In the Pit of the Stomach‚ im Studio von Sigur Rós aufgenommen wurde; melancholisch muß es beinahe zwangsläufig sein: kommt ja aus Glasgow und so klingt Sänger Adam Thomson immer noch. Und die Referenzkeule darf natürlich weiterhin geschwungen werden, trifft Bloc Party (dieser Drang nach Vorne!), The Futureheads (dieses Aufgekratzte!), Foreward, Russia! (dieses Hyperventilierende!), Foals (nicht nur stimmlich!), Jeniferever (dieses Epische!) und natürlich die Landsleute von Frightened Rabbit bis The Twilight Sad (dieses Dunkle, dieses Melancholische!) gleichermaßen.

Trotzdem kochen We Were Promised Jetpacks immer noch ihr eigenes Süppchen. Und tatsächlich fühlt sich ‚In the Pit of the Stomach‚ gewissermaßen viel eher wie ein Debütalbum an, als der Vorgänger. Natürlich könnte man über all die kleinen Fehler der Platte viel eher hinwegsehen, wäre es auch das solche und müßte sich nicht mit ‚These Four Walls‚ messen. Dass ihnen mit ihrem Zweitwerk dennoch der endgültige Durchbruch gelingen sollte, ist ebenso zu erwarten, wie es We Were Promised Jetpacks zu wünschen ist. Denn grundsätzlich gilt: Wenn man so viele Makel an einer Platte findet und diese dennoch derartig begeistert, macht die dazugehörige Band wahrscheinlich doch so einiges richtig.

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