Neonliberal.at

Neonliberal.at

Gill Scott-Heron & Jamie XX – We´re New Here

Nach sechzehn Jahren (leider ausschließlich musikalischer) Abstinenz  kehrte Gil Scott-Heron 2010 triumphal in das Interesse der Öffentlichkeit zurück.

Knapp 29 Minuten genügten, um den visionären Poeten der 1970/80 er Jahre auf musikalischen Landkarten neu zu positionieren. Nicht unwesentlich daran beteiligt war XL Recordings Besitzer Richard Russel, welcher Scott-Heron für I´m New Here einen düster minimalistischen Sound zurechtschneiderte, skelettiert und trocken.
Das Ergebnis ist das vielleicht atemberaubendste Comeback seit Johnny Cashs American Einstand.

Einen Einstand nach Maß gaben 2009 auch The xx. Deren Transferierung der Young Marble Giants ins neue Jahrtausend schoß förmlich durch die Decke, Kritiker wie Käufer gingen hinsichtlich Begeisterungsbekundungen konform.
Dass The xx ebenfalls via XL Recordings veröffentlichen ist allerdings der größte gemeinsame Nenner der beiden musikalischen Fraktionen – Grund genug also The Xx Bandleader Jamie Smith eine Remixplatte von Gil Scott-Herons minimalistischer Großtat anfertigen zu lassen?
Wenn, dann zumindest ein fragwürdiger.

Denn fest steht, dass sich der Sinn dieser Platte vor allem auf musikalischem Weg nicht wirklich erschließen möchte.
Jamie xx behält vom ursprünglichen Werk (neben den regulären Songs finden auch einige Verwendung, welche geradezu stiefmütterlich als Bonus Tracks verbraten wurden) größtenteils bloß Gil Scott-Herons Vocals unbearbeitet bei. Diese dienen als Ankerpunkt für vollkommen umgekrempelte Songs, die zwischen Dubstep, Dancehall, verhaltener Clubatmosphäre und verqueren Elektronikbasteleien umherpendeln.
Der Ansatz, den Songs ein vollkommen neues Gewand  (im Übertragenen Sinne: Der Gesamtsound bleibt ähnlich nackt wie die Vorlage) zu verpassen, mag auch stellenweise interessant sein, meist bleibt das Ergebnis aber geradezu hilflos hinter den Möglichkeiten zurück.
Gelingt es Jamie xx auch, sein Talent als Remixer phasenweise aufblitzen zu lassen, hat man vor allem im Albumkontext selten das Gefühl, dass hier ein Rad in das nächste übergreift.
Alles läuft ziellos nebeneinander her, bleibt gehaltlos. Atmosphärisch geht jedenfalls anders.

Vereinzelt mögen die Remixsongs so durchaus B-Seiten tauglich sein und auch durchaus ihren Reiz besitzen, sie in einen konzeptionellen Zusammenhang zu stellen funktioniert allerdings zu keinem Zeitpunkt.
We´re New Here zeigt in den wenigen substanzvollen Momenten, was die Platte könnte und vermutlich intentional auch wollte, schlussendlich bleibt sie jedoch eine übermütige Fingerübung für Jamie xx.
Und der vermeintliche Schulterschluss zwischen XL Cashcows so ein kalkulierter Schnellschuss für die Hipster Fraktion.

[amazon_link id=“B004EC5IWA“ target=“_blank“ ]We’Re New Here auf Amazon[/amazon_link]

No comments yet.

Add a comment

Finde uns auf Facebook