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William Elliott Whitmore – Field Songs

William Elliott Whitmore enttäuscht nicht: Acht wunderbar reduzierte Kleinode, die es sich zwischen Country und Blues zeitlos gemütlich machen.Von dem Mann, der sich anhört, als würde er gerade seinen Lebensabend auf einer Veranda im Westen sitzend verbringen und dabei die letzten 80 Jahre Revue passieren lassen.

Dass dem nicht so ist, und Whitmore dort über den Daumen gepeilt erst um die zwölf Jahre sitzt, muss man wohl nicht mehr erwähnen. Auch, da sich William Elliott Whitmore doch hinsichtlich der Lenzen die er zählt, jenem Alter mit jedem Jahr annähert, dem seine Stimme eigentlich zustünde. Ein bisschen Zeit hat der 33 jährige aber ja noch, denn so eine Stimme – wettergegerbt, tief, weise, beseelt, alt – die erarbeitet sich ein Mann für gewöhnlich über sein gesamtes Leben hinweg. Dass William Elliott Whitmore damit geboren wurde, darf man als glückliche Fügung sehen, teilt der Mann aus dem tiefsten Iowa seine unfassbare Stimme doch durch seine wunderbaren Songs. Acht neue davon formt er 2011 zu knappen 34 Minuten filigraner Bluesmusik, die dabei wieder eine geradezu bedrückende Wahrhaftigkeit ausstrahlen.

Schlechte Songs hat Whitmore dabei noch keinen einzigen geschrieben, daran ändert sich auch auf ‚Field Songs‚ nichts. Alleine mit seiner Akkustgitarre oder Banjo ausgestattet zelebriert der Amerikaner dabei, was man von ihm gewohnt ist, das allerdings auf kargere Art, als man es auf seinern jüngsten Platten gehört hat. Tieftraurig und mit einer vollkommen aus der Zeit gefallenen Melancholie behaftet sind diese kleinen, unaufregenden Songs, die so genauso gut schon ein halbes Jahrhundert auf den Buckel haben könnten und in ebenso vielen Jahren immer noch eine zeitlose Magie versprühen werden. Whitmore sattelt seine Songs dabei zu einem überaus geradlinigen Album – auf ‚Field Songs‚ passiert alles leicht behäbig und derart stressresistent, dass ein ‚Get There from Here‚ als beschwingteste Nummer durchgehen darf, welche anderswo der Ruhepol einer Platte wäre. Wer das unspektakulär und einförmig nennt, hat nichts verstanden.

Auf Experimente verzichtet Whitmore für ‚Field Songs‚, reduziert seine leidgeprüften Songs aufs Wesentliche und klammert da auch die Wege aus, die ‚Animals in the Dark‚ 2009 aufzeigte. Ein Saiteninstrument genügt pro Song, nicht einmal der Rhythmus muss gestampft werden. Aus der Reihe aber nicht der Stimmung tanzen einzig der beinahe ausgelassene Partystomper ‚Don’t Need It‚ mit Klos im Hals und das abschließende ‚Not Feeling Any Pain‚, in dem dezent der Strom angeschaltet wird und die Bassdrum den Rhythmus mitmachen darf, bevor Whitmore dieses zurückhaltende Aufbrausen leise ausklingen lässt und in die finstere Nacht verschwindet. Auf ‚Field Songs‚ thront die Stimme des jungen Bluesman vor gackernden Hühnern und über geöffneten Strukturen die seine bisher zurückgenommenste, wahrscheinlich unspektakulärste Songsammlung darstellt – und auch sein bisher bestes Werk im Gesamten. ‚Field Songs‚ unterstreicht Whitmore´s Ausnahmeerscheing, als zeitlos moderner Bluesmann einer neuen Generation. Seine oft unscheinbaren Platten bleiben unwirkliche Bluesskizzen aus einer anderen Zeit, gemacht für die Ewigkeit.

 

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