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Wolfgang Petritsch „Bruno Kreisky – Die Biographie“

Bruno Kreisky Schwerpunkt

Lange hat es gedauert, bis ich Zeit und Willen gefunden habe, die neue Kreisky-Biographie von seinem ehemaligem Mitarbeiter und Freund Wolfgang Petritsch, zu lesen. 423 Seiten umfasst sie und in ihr zeichnet Petritsch den bemerkenswerten Lebensweg Bruno Kreiskys nach wie kaum ein anderer könnte.

Cover der Kreisky-Biographie, erschienen im ResidenzverlagWolfgang Petritsch war von 1977 bis 83 Sekretär Bruno Kreiskys – keine leichte Aufgabe, denn wer mit Kreisky arbeiten wollte, musste genau wie er auch versiert auf allen möglichen außen- wie innenpolitischen Themen sein. Arbeitsteilung bestand nur in geringem Ausmaß, wer da war, hat gearbeitet. Noch dazu kamen die legendären Launen des „Österreichischen Sonnenkönigs“. Doch wer die Biographie liest, weiß, mit wie viel Wertschätzung und Bewunderung Wolfgang Petritsch seinem Chef und Freund Bruno Kreisky begegnet.

Das Leben Kreiskys war alles andere als widerspruchsfrei – aus Sohn aus bürgerlichem Hause engagierte er sich früh in der sozialistischen Bewegung, wurde von Austrofaschisten wie NSDAP inhaftiert, weil er im Untergrund für die Partei tätig war und focht als Kind einer jüdischen Familie einen erbitterten Kampf mit Simon Wiesenthal über die Entnazifizierung Österreichs aus. Und trotz politischen Fehlern wie Zwentendorf, welchen er später auch Zugab und das Nein der Österreicher_innen als gute Entscheidung lobt, bleibt er für den Großteil der Österreicher_innen der größte Kanzler der Zweiten Republik. Zumindest für die, die bei seinem Namen nicht laut aufschreien, da Kreisky auch das bürgerliche Lager polarisierte. Die Einen liebten, die Anderen hassten ihn.

Wolfgang Petritsch darf als umfassenster Kreisky-Biograph gelten. Seine Biographie ist nicht nur eine Beschreibung des Lebens eines der größten Politiker Österreichs, sondern viel mehr: sie ist ein historisches Dokument über die Geschichte der Ersten wie auch der Zweiten Republik. Petritsch erklärt mit viel Fachwissen, welches er sich durch lange Gespräche mit Kreisky selbst und vielen Zeitgenoss_innen wie auch durch Archivarbeit angeeignet hat, die gesellschaftliche und politische Situation zu jedem wichtigen Zeitpunkt in Kreiskys Leben.
Das führt leider auch dazu, dass die Biographie streckenweise sehr zäh zu lesen ist, mit Namen und Fakten überhäuft scheint. Manche mögen Petritsch auch vorwerfen, Kreisky Wirken zu unkritisch zu beleuchten, auch wenn Widersprüche immer wieder aufgezeigt werden.

Trotzdem bleibt Petritschs Biographie eines der wichtigsten Bücher über Kreisky. Denn wenige scheinen ihn so verstanden zu haben wie Wolfgang Petritsch, der später maßgeblich zur Lösung des Jugoslawien-Konflikts beitrug und somit Kreiskys Engagement in der Außenpolitik weiterführte.

Klemens

Das Licht der Welt erst 1991 erblickt und schon so bitter.

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