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Wolves in the Throne Room – Celestial Lineage

Wolves in the Throne Room machen für ihr viertes Album einen Schritt zur Seite und zwei zurück. Damit schließt ‚Celestial Lineage‘ den apokalytischen Kreis – und beendet für das vegane Duo aus Washington anscheinend die Laufbahn als Heilsbringer des Black Metal .

Der Knalleffekt kam praktisch beiläufig und abseits des vierten Studioalbums ‚Celestial Lineage‚. „Es war klar, dass wenn wir den letzten Gitarrenpart für den letzten Song des Albums aufnehmen, es das letzte ist, was wir als Wolves in The Throne Room tun werden. Es ist absolut das Ende und genau das hatte ich sehr stark in meinen Gedanken bei diesen Gitarrenparts. Wir werden weiterhin Musik machen und auch wieder ein Album aufnehmen, aber dies ist das Ende eines Zyklus‘, an der wir die letzten acht bis neun Jahre gearbeitet haben.“ erzählte Aaron Weaver unlängst. Das Kapitel Wolves in the Throne Room scheint sich also offenbar zu schließen – nach ‚Celestial Lineage‚  wahrscheinlich ein nachvollziehbarer Schritt, formuliert das Brüderpaar seine Vision von Black Metal hier doch nahezu aus; schließt die auf ‚Diadem of 12 Stars‚ begonnene transzendentale Kreisbeschreitung ab.

Celestial Lineage‚  ist kein zweites ‚Black Cascades‚ geworden. Zwangsläufig nicht. Noch brutaler, noch roher, noch unmittelbarer – das wäre nahezu unmöglich gewesen. Stattdessen orientiert sich die Band an ihrem Frühwerk, blickt zurück auf ‚Diadem of 12 Stars‚ und fasst vor allem ‚Two Hunters‚ genau ins Auge. Passend dazu hat man auch wieder Jessika Kenney als Gastsängerin an Bord geholt, die ‚Celestail Lineage‚ mit ihrem ätherischen Gesang wieder in fremde Sphären hebt. Diese sind natürlich weitestgehend geblieben, wie Wolves in the Throne Room ihren Black Metal immer schon wachsen ließen. Bedrohlich, dunkel und eindringlich vertonen die Weaver Brüder wieder ungeschönt die Mystik des Vergänglichen, des Unwirklichen, beschwören mit donnernden Blast-Beats das Ende der Welt. Das klingt ebenso wenig greifbar, wie sich Wolves in the Throne Room schlußendlich musikalisch inszenieren. Denn mag ‚Celestial Lineage‚ auch rückwärts orientiert sein, vermeidet die Band uninspirierte Wiederholungen.

Thuja Magus Imperium‚ eröffnet fulminant. Majestätisch breitet sich der Song über zwölf Minuten und bedient dabei zahlreiche Trademarks: Das infernal schnelle Schlagzeugspiel, das bestialische Gebrüll, die beklemmende Atmosphäre. Und dennoch marschiert bereits der Opener in neue Richtungen, zeigt auf, dass Wolves in the Throne Room klassischen Black Metal immer noch offenherziger interpretieren als ein Gros der Genrekollegen. Da walzen sich Folksprengsel durch den Song, dieser lichtet sich für einen beinahe post-rockigen Mittelteil und klingt zur stimmunsvollen Ambient-Depression aus. Auffallend dabei auch die hervorragende Gitarrenarbeit –  die bisher beste der Band. Überhaupt haben die Weaver Brüder in dieser Hinsicht den größten Schritt erzielt.
Was folgt ist die augenscheinlichste Erneuerung im  Wolves in the Throne Room Kosmos: Interludes bekommen nun eigene Trackzuweisungen, heißen ‚Permanent Changes in Consciousness‚ und ‚Rainbow Illness‚. Diese dienen eher dem Aufbau der Atmosphäre denn als eigenständige Kompositionen durchzugehen, verdeutlichen jedoch das einzige Manko des vierten Wolves in the Throne Room Albums: gelegentlich wirkt die Platte zerfahren, lässt eine konstante Linie vermissen und präsentiert sich eher als famoses Stückwerk, denn als geschlossene Einheit.

Was sich aufgrund der unbestreitbaren Qualität der Songs leicht verzeihen lässt. ‚Subterranean Initiation‚ ist in seiner unwirschen Art beinahe punkig, Langzeitproduzent Randall Dunn hat abermals ganze Arbeit geleistet. Ebenso beim vehement kontrastierenden ‚Woodland Cathedral‚, einer Sternstunde für Jessica Kinney, die mit Black Metal nur noch stimmungstechnisch zu tun hat und im Grunde entrückt vergeistigte Ambient Musik mit Synthesizer Gerüst ist. Darauf das zweite große Albumhighlight: ‚Astral Blood‚ greift die immense Brutalität des Vorgängeralbums auf und zelebriert den unheimlichen Metal der Band in Reinform, bevor der Song zur Hälfte kippt, über eine wunderbar melodiöse Bridge zum getragenen Metalbrocken wird. Der Übergang zum unwirklich über allem schwebenden ‚Prayer of Transformation‚ gelingt nahtlos: Traumwandlerisch breitet sich diese Soundkathedrale zur fein gewebten Atmosphäre-Walze aus; ein phänomenaler Schlusspunkt.

Wolves in the Throne Room bleiben mit ‚Celestial Lineage‚ die düsteren Lichtgestalten der Black Metal Szene. Eben auch, weil das hier oftmals nur noch am Rande Black Metal ist und sich so vielen anderen Einflüssen anstandslos öffnet. Ihr geschlossenstes Album haben die zum Duo geschrumpften Einsiedler und autonomen Bauern damit nicht abgeliefert, allerdings ihr bisher vielseitigstes. ‚Celestial Lineage‚ zeigt in letzter Konsequenz, weswegen die Band als Referenzpunkte Bands wie die Post-Metal Pioniere Neurosis oder experimentelle Avantgarde Elektroniker wie Popol Vue aufführt. Die Platte schafft den Spagat zwischen der nahezu perfektionierten Trademarkbedienung und dem Integrieren von neuen Ideen. Dass ‚Celestial Lineage‚ den – wie zuvor bekannt gegeben – Abschluß einer mit ‚Two Hunters‘ begonnenen Triologie darstellt, erscheint zu jedem Zeitpunkt schlüssig. Wäre die Platte zudem das letzte Kapitel der Bandgeschichte, wäre dies natürlich ein herber Verlust für die Musikwelt. Auch und vor allem, da Wolves in the Throne Room eine makellose Discographie hinterlassen würden – ‚Celestial Lineage‚ des vierte Meisterstück in Serie ist.

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Comments (1)

  1. Pingback: Wolves In The Throne Room - Thrice Woven - HeavyPop.at 24. September 2017 […] kaum verübeln – was sollte nach der furiosen Stafette aus Two Hunters, Black Cascade und Celestial Lineage (2011) auch noch kommen? Erst über die Richtung Ulver meets Brian Eno blickende – wohl eben […]

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