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Wolves Like Us – Late Love

Norwegen ist und bleibt ein guter Nährboden für Hardcorebands: Wolves Like Us mischten bereits ein Jahr nach ihrer Gründung die Osloer Musikszene richtig auf, ‚Late Love‘ schickt sich nun an, den Rest der Welt zu überrennen. Vor allem, wer das Ableben von JR Ewing noch nicht überwunden hat, darf hier seine Platte des Jahres suchen.

Ist der Post Hardcore der vor inzwischen auch schon wieder 5 Jahre aufgelösten Osloer nicht nur die zweitgrößte Referenz von ‚Late Love‚, sondern in gewisser Weise auch deren Ausgangspunkt, bieten Wolves Like Us doch neben ehemaligen Mitgliedern von einschlägigen Bands wie Silver, Amulet und Infidels Forever auch dem ehemaligen JR Ewing Schlagzeuger Jonas Thire ein neues Zuhause. Dass dieser auf dem legendären JR Ewing Schwanengesang ‚Maelstrom‚ nicht mehr die Felle bearbeitet hat, ändert nichts daran, dass Wolves Like Us auf dem besten Wege sind, die 2006 nicht zuletzt aufgrund dieses Meisterwerks aufgerissene Wunde im europäischen Post Hardcore zu schließen. Auch wenn dies mit ‚Late Love‚ noch nicht vollständig gelingt.

Was aber angesichts des beachtlichen Schnellschuss, den Wolves Like Us mit ihrem ersten Album ein Jahr nach der eigentlichen  Bandgründung hinlegen, allerdings kaum ins Gewicht fällt.
Late Love‚ vereint das Erbe von JR Ewing mit der schleppenden Ausrichtung der Post Hardcore Weltmeister Hot Water Music (womit man auch die wichtigste Assoziation genannt hätte) und mischt dem zäh fließenden Rock auch eine nicht geringe Punkattitüde bei. Wem hierbei Hot Snakes, Gallows und Konsorten einfallen, darf seinen Ohren trauen. Auch wenn Produzent Dave Collins (bekannt durch seine Arbeiten für Soundgarden oder Janes Addiction) ‚Late Love‚ dazu einen derart düsteren Sound verpasst, dem Sludge Metal Bands wie Kylesa ebenso Tribut zollt wie diversen Post Metal Kapellen. Und wenn wie in ‚Shiver in the Heat‚ das Tempo angezogen wird, zeigt sich, dass Wolves Like Us tatsächlich aus dem selben Land kommen wie die Metalüberflieger Kvelertak.

So viele und noch mehr Referenzpunkte bietet ‚Late Love‚. Vielleicht ist das auch der Grund, weshalb das letzte Quäntchen noch nicht vollständig überspringen will: weil Wolves Like Us noch zu wenig eindeutig nach sich selbst klingen. Hier muss noch jemand seine eigene Identität definieren. Ist das erst einmal passiert, zeichnet sich jetzt schon ab, dass Wolves Like Us zu den Szene Größen gehören werden. Post Hardcore Hits wie ‚Deathless‚ deuten schon jetzt sehr indezent das Wahnsinns Potential an, das in dieser Band schlummert. Das restliche Songmaterial steht praktisch in nichts nach, die zehn Songs krachen roh und ungeschönt in die Gehörgänge und wollen dabei gar nicht verbergen, dass es sich dabei ausschließlich um dreckige Ohrwürmer sondergleichen handelt.
Wolves Like Us
haben damit ein Album ohne Durchhänger aus der Hüfte geschossen, dass wohl gewaltig Staub aufwirbeln dürfte. Mit dieser Band muss man in Zukunft definitiv rechnen. Nicht nur damit, dass sie JR Ewings Ableben vergessen machen – die könnten gar einmal Hot Water Music den Rang ablaufen. Bis dahin begeistert jedenfalls ‚Late Love‚ schon einmal nahezu bedingungslos.

 

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