Neonliberal.at

Neonliberal.at

Woods – Sun & Shade

Schon wieder heißt es: die nächste Woods Platte. Obwohl erst gut ein Jahr um ist, seit der letzten. Und die Begeisterung über diese zudem noch nicht einmal nachgelassen hat. Außerdem hat sich kaum etwas getan, seit ‚At Echo Park‘. Grund genug zum Jubeln also!

Hauen die Brooklyner Akkordveröffentlicher mit ‚Sun & Shade‚ doch zum wiederholten Male quasi im Vorbeigehen  ein weiteres kleines und unscheinbares Neo- Folkmeisterwerk heraus. Wobei gestandene Woods Hörer schon vorab ahnen: Die beiden längsten Songs sind psychedelisch ausartende, instrumental gehaltene Stücke, die in die Bresche von Lagerfeuertribal mit Feedbacklärm und Opiumhöhlenentspannung mit Störgeräuschen schlagen, dabei den Weg zum Ziel erklären und einem unbekannten Mantra mit Schlafzimmerblick unaufhaltsam folgen.
Der Rest – ebenfalls wie immer: Kurz angebundener, seltsam entrückter Folk(rock), der klingt als wäre er vor sehr langer Zeit in jenem  verwunschenen Hexenwäldchen eingespielt worden, in dem Peter Paul and Mary ebenso Nationalheilige waren wie Crosby, Stills, Nash and Young . Nur das Woods Alben streckenweise nach wie vor so Lo-Fi produziert sind, dass vor allem die Vocalspuren einen Kasettenrekorder als High-End Gerät interpretieren.

Das macht mitunter seit jeher den besonderen Charme dieser Band aus, auch wenn seit dem vermeintlichen Durchbruch mit ‚Songs of Shame‚ 2009 immer noch nicht klar ist, wo denn nur der definitive Durchbruch bleibt. Vielleicht sind Woods auch auf ‚Sun & Shade‚ einfach wieder eine Spur zu verschroben, zu knarzig, zu spleenig. Da mögen sich die einzelnen Songs noch so sehr mit grandiosen Melodien und Harmonien erschlagen, praktisch als Schaulauf der potentiellen Hittauglichkeit der Band fungieren. Aber so zurückhaltend, unaufdringlich, feinfühlig und vor allem unaufgeregt  Jeremy Earl, Jarvis Taveniere, Kevin Morby und G. Lucas Crane ihre fabelhaften, geradezu aus der Zeit gefallenen Harmoniekleinode am Freak-Folk Genre vorschrammen lassen, ist es fast schon klar, dass exaltierte Leute wie Devendra Banhart eher das Scheinwerferlicht abbekommen.

Falsch machen Woods damit auch auf ihrem mutmaßlich –  je nachdem variierend, wie die Veröffentlichungen unter etwaigen Aliasnamen gezählt werden – fünftem Album nichts. Das geradezu erstaunlich unmittelbare  ‚Wouldn´t Waste‘ besticht einzig mit Akkustikgitarre und sauberem Gesang, ‚Who Do I Think I Am‚ ist beinahe mehr verträumtere Sommermelancholie, als man aushalten möchte und Songs wie ‚Pushing Onlys‚ oder ‚Any Other Day‚ veströhmen schon derart viel Popflair, dass man endlich wieder vor Ohren geführt bekommt, wofür schüchterne Melodien geschaffen sind und was in einer gerechten Welt von Früh bis Spät vom unbenutzen Radiowecker gespielt werden sollte.
Mit ‚Sun & Shade‚ campieren Woods nach wie vor direkt vor der Tür zum ganz großen Folkrockereignis. Und scheren sich abermals nicht, hindurchzuschreiten –  sondern spielen sorglos in ihrer eigenen Welt weiter und fröhlich in den Tag hinein.Immer wieder ein Ereignis.

[amazon_link id=“B004VDSX1A“ target=“_blank“ ]Sun & Shade auf Amzon[/amazon_link]

Add a comment

Comments (1)

  1. Pingback: Woods – Bend Beyond - HeavyPop.atHeavyPop.at 21. September 2012 […] stapeln sich hier insgeheime Lagerfeuer-Hits, wie das letztjährige ‘Sun and Shade‘ in dieser Konsequenz vielleicht nur ‘Any Other Day’ parat hatte diesmal am […]

Add a comment

Finde uns auf Facebook