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Woran man doch mal ein, zwei Gedanken verschwenden sollte…

(c) http://rabenzeit.wordpress.com/

„Hungersnot in Afrika“ las man Anfang Juli irgendwo klein in der Zeitung- wenn man sich denn die Mühe machte, die Kurzmeldungen durchzusehen. Erst in den nächsten Wochen nahmen die Medien vermehrt Notiz von der Katastrophe, die Millionen von Menschenleben auszulöschen droht.

Menschen sterben weil sie nichts zu essen haben. Das muss man sich einmal überlegen. Unvorstellbar eigentlich. Und doch wäre es zu verhindern gewesen. Davon abgesehen, dass das Internationale Rote Kreuz schon Ende 2010 Alarm schlug und auf die nahende Dürre in Ostafrika und die damit verbundene Hungersnot aufmerksam machte und ungehört blieb… Warum müssen Menschen überhaupt hungern?! Es ist doch paradox, dass unsere Wohlstandsgesellschaft sich die Bäuche voll schlägt und täglich tonnenweise Nahrung wegwirft oder ihre Konsumgeilheit auslebt indem sie sich wöchentlich neu einkleidet und um dann das Gewissen zu beruhigen 20.- Euro spendet, damit der Kauf der zehnten € 100.- Jean dieses Jahr „gerechtfertigt“ ist. Absurderweise ist der Prozentsatz der Menschen, die sich dieses Mindestmaß an Gedanken machen,  in unserer Gesellschaft verschwindend klein (Krank und lächerlich, ja!) Wir sind nicht einmal so viel uns Gedanken zu machen. Hat und die böse, böse Konsumgesellschaft uns so in ihren Fängen, dass ein Blick über den Tellerrand unzumutbar ist, da das heile Weltbild sonst nicht mehr als wahrheitsgetreu durchginge? Hat sie uns einfach gleichgültig werden lassen für die Probleme anderer? Schließlich haben wir ja alles was wir brauchen. Ist unser Intellekt unter dem Einfluss der Will-Haben Gesellschaft so verkommen, dass wir die Tragweite der Probleme, die sich außerhalb abspielen nicht fassen können und deshalb lassen wir es einfach uns damit auseinanderzusetzen?!

Irgendeinen Grund muss es haben. Wie kann es sonst sein, dass Kinder elendiglich  zu Grunde gehen? Nicht aufgrund einer unaufhaltbaren Naturkatastrophe, die plötzlich über einen Kontinent hereinbricht. Nein, aufgrund der Tatsache, dass die westliche Welt, die durchaus in der Lage wäre zu helfen- nämlich schon lange und nachhaltig- es bis dato nicht vermochte sich langfristige Lösungen zu überlegen. Erst langsam kommt die Sache ins Rollen. Wobei es wohl wie immer so sein wird, dass in der Akutphase Abhilfe geschaffen wird (durch Spenden, Luftbrücken, Sofortmaßnahmen,…) und die wenigen nachhaltigen und langfristigen Projekte vielleicht höher subventioniert werden. Aber sobald sich die Lage halbwegs entspannt hat und es noch weniger berichtenswert ist als ohnehin schon, werden die Spenden wieder ausbleiben und die Menschen in ihrem täglichen Überlebenskampf (nix anderes is es wenn man’s aufs Wesentliche herunterbricht) wieder sich selbst überlassen sein. Aber was soll’s? Wir haben ja eh die zwei, drei Projekte, die sich um „die“ kümmern. Und der/die ein oder andere spendet ja regelmäßig.

Jetzt kann man sagen es ist vermessen von der Wohlstandsgesellschaft, die es richten muss,  zu sprechen weil das die Menschen in Afrika etc. noch ein Stück weit „deklassiert“ und sowieso und überhaupt ist Verteilungsgerechtigkeit anders und warum  ist es überhaupt so, dass die Welt so grausam ist… Fakt ist aber: die Gegebenheiten sind so wie sie sind. WIR haben die Mittel Änderungen herbeizuführen. Wenn wir wollen sogar grundlegend und nachhaltig. Natürlich setzt das ein globales Umdenken voraus, natürlich müssen wir dazu erst einmal von unserem meterhohen Ross, auf das wir doch soviel geben, herabsteigen um uns auf Augenhöhe mit dem „Rest der Welt“ auseinanderzusetzen… Aber warum denn so viel Aufwand betreiben wenn 20.- Euro so schnell überwiesen sind??? Dann lieber mit der Gleichgültigkeit leben. So funktioniert „unsere Welt“ doch ganz gut.

Anm.: Kurz und knapp, ja. Polemisch, natürlich. Aber ich maße mir auch nicht an diese komplexe, durchwachsene Materie die sich Gesellschaft nennt durchleuchten zu wollen. Ich hab mir nur ein paar Gedanken gemacht (und den ein oder anderen fremden aufgegriffen und weitergesponnen).

Conny

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Comments (3)

  1. Andreas26. Juli 2011 Antworten
    Hallo! Ich weiß es zu schätzen, wenn jemand „Öffentlichkeitsarbeit“ für Probleme unserer Zeit macht, die wir Privilegierten bedingt durch Alltags- und Freizeitstress gerne vergessen oder manchmal aufgrund der Tragik von Ereignissen und der wahrgenommenen Hilfslosigkeit unterbewusst ignorieren. Ich bin auch jemand, der auf die Problematik unseres Konsumverhaltens aufmerksam macht. Ich betone aber die ökologischen Folgen, weil ich es für einen Trugschluss halte, den Menschen vorzuwerfen, dass sie sich zu viele Jeans kaufen und aufgrund des dann zu wenig gespendenten Geldes die Menschen wo anders arm sind. Ich weiß, du hast das nicht genau so geschrieben, es läuft aber darauf hinaus. Ich halte es darüberhinaus für kontraproduktiv den Menschen in Europa oder den USA ihren Reichtum vorzuwerfen. Die Problematik der Unterentwicklung ist keine, die durch einen Batzen Geld gelöst werden könnte. Es ist eine hochkomplexe Materie in die wirtschaftliche (wechselseitige Abhängigkeiten von Industrien), juristische (v.a. Eigentumsrechte), politische (der Diktator lässt grüßen) und auch soziologische Aspekte (ein paar wenige setzen Interessen durch) einfließen (und noch tausend mehr) und sich mir leider noch nicht mal zu einem Bruchteil erschließt. Natürlich wirkt es irgendwie pervers, wie wenig Beachtung die Katastrophe in Ostafrika bekommt. Vielleicht ist es einfach nicht so interessant und spannend wie ein Erdbeben oder ein Atomunfall, vielleicht sind die Menschen mittlerweile abgestumpft und es ist nichts Neues, das „die“ „dort“ verhungern. Dazu fehlt mir die Expertise. Die Intention meines Kommentars ist der Wunsch, den Diskurs auf das Wesentliche, nämlich die Probleme vieler einfach nicht in den Tritt kommender Länder, zu richten. Das Spektum der Menschen, die sich mit solchen Problemen beschäftigen, ist groß. Die findest du aber eben nicht gleich um die Ecke und irgendwie bin ich mittlerweile an einem Punkt angelangt, an dem ich einfach akzeptiere dass die Mehrheit der Menschen kein Interesse an Problemen haben, die sie persönlich nicht berühren. Danke für deinen Beitrag und liebe Grüße,
    Andreas
  2. C.26. Juli 2011 Antworten
    ich mache keine vorwürfe. habe lediglich Beispiele- wenn auch überzogene- gebracht.
    und natürlich ist das ganze nicht mit geld allein zu lösen. aber irgendwo muss man ansetzen.
    wie erwähnt ist mein beitrag nur ein kleines- ich nenns mal- Gedankenspiel meinerseits und erhebt weder den anspruch ganzheitlicher betrachtung, noch biete ich fix-fertige lösungsansätze. der ganze, von polemik durchaus nicht ganz freier, text soll eben zum nachdenken anregen… was, wie ich sehe, funktioniert 🙂 beste grüße, c.
  3. Lukas27. Juli 2011 Antworten
    Als absoluten Horrorjob stell ich mir die Aufgabe der Uno-Blauhelme vor, die angeblich vor dem Flüchtlingslager aus den 1500 (!) täglich neu ankommenden Menschen die „Lebensfähigen“ heraussuchen sollen und ins Lager lassen. Steht so heute im Standard.

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