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Wu Lyf – Go Tell Fire To The Mountain

Heavy Pop? Wohl eher konturlose Rockmusik als psychedelisch ausartende Jamsession: Wu Lyf driften mit ihrem heiß erwarteten Debütalbum in eine dichte Nebelbank aus perlenden Gitarren und wabernde Orgelsounds, die sich im Hall zu verlieren droht. Kein Wunder, dass Ellery Roberts dabei derart schreien muss, um noch Gehör zu finden.

Verstehen kann man den Sänger der World Unite! Lucifer Youth Foundation (ja, Akronyme sind wieder in!) dabei kaum, klingt Roberts doch in etwa so, als würde Caleb Followill ein Konzert der Kings of Leon bestreiten, nachdem er sich ein Jahr lang bei einer Black Metal Band die Stimmbänder wund geschrien hat. Da bleibt der Inhalt seiner Texte (ist das überhaupt noch Englisch?) mindestens ebenso mysteriös wie das sorgsam inszenierte Auftreten seiner Band. Viel bekannt ist jedenfalls nicht über eine der heißesten Aktie am Musikmarkt, die von Manchester aus alle Angebote großer Plattenfirmen ausschlug um ihr Debütalbum selbst in einer alten Kirche aufzunehmen und passend dazu gleich ein eigenes Label gründeten. Nebenbei leistet Manager Warren Bramley ganze Arbeit und die Presse hat ein gefundenes Fressen mehr. Und dazwischen bleibt sogar noch Zeit, um die eigene Wikipedia Page zu löschen.

Was auf dieser in der Abteilung Genre eingetragen ist, ist freilich ohnedies so eine Sache: ‚Heavy Pop‚ nennen die vier Engländer ihren unkonkreten Rock, der sich dabei aus vielen Quellen zu speisen scheint und am Ende dennoch derart eigenwillig klingt, dass man das mit dem Heavy Pop doch irgendwie abnicken kann.
Da ist das erste Album von Yeasayer ist für ‚Go Tell Fire To The Mountain‚ ein Verwandter im Geiste, mit Girls oder Future Islands vereint einen die Definition von Pop. Die Gitarrenarbeit hat man sich hingegen von den akribisch arbeitenden Foals ausgeborgt und das freizügige Songwriting derer zweiten Platte ‚Total Life Forever‚ dürfte auch ordentlich abgefärbt haben. Dazu kommt dass mit Paul Savage ein Mann den Mix der Platte besorgt hat, der auch schon für Mogwai gearbeitet hat. Das passt insofern, da es ob der ausufernden Songkonstrukte gar nicht so weit zum Postrock wäre, wenn das nicht alles auch wie eine filigran aufgebürstete, elektrifizierte Lo-Fi Folkvariation der Marke Woods klingen würde.

Am markantesten bleibt da trotz allem natürlich der Gesang, da zu einer derartigen Musik erst mal jemand derart heiser losschreien muss. Oder eben gleich mehrere: In ‚We Bros‚ fällt gleich die gesamte Band in einen euphorischen Refrain mit ein, während Gitarren drumherum jubilieren und sich ‚Go Tell Fire To The Mountain‚ generell wie eine riesige Party samt Ringelspiel anfühlt. ‚Heavy Pop‚ definiert sich quasi selbst, ‚Dirt‚ und ‚Spitting Blood‚ sind die am wenigsten verschwommenen Hits der Platte. Daneben sausen die Ohrwurmmelodien im Sekundenabstand vorbei und bleiben dennoch nur derart flüchtig und kaum fassbar, dass die Grenzen zwischen cleverem Songwriting und zielloser Jamsession zu verschwimmen beginnen.
Der World Unite! Lucifer Youth Foundation kann das so nur in den Kram passen: Unkonkret und rätselhaft  bleiben, dass will man in jeder Weise. Dem Hörer kann es ebenfalls nur Recht sein, braucht der Rock doch seine Mysterien. Und wenn dabei auch noch eines der spannendsten Debütalben des Jahres herausschaut, darf so viel Geheimniskrämerei schon sein.

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