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Wugazi – 13 Chambers

Große Mash-Up Kunst zelebrieren zwei Produzenten aus dem mittleren Westen der USA: Wugazi mixt die Rap Meister des Wu-Tang Clans mit dem Post-Hardcore der Szene Götter Fugazi. Eine liebevolle Homage an beide Bands und bezeichnend, dass aus recycelten Material eines der bisher besten Hip Hop Alben des Jahres entstand.

Swiss Andy und Cecil Otter entstammen in weitestem Rahmen dem in Minneapolis ansässigen Hip-Hop Kollektiv Doomtree, dem beispielsweise auch der famose P.O.S. angehört. Knappe zehn Jahre nach der letzten Fugazi Platte krempeln die beiden Amerikaner ihre Ärmel hoch und zollen den D.C. Legenden ebenso Tribut wie den immer wieder mal strauchelnden Hip Hop Allmacht des Clan-Kollektivs und mischen 13 Stücke aus den beiden Discographien der beiden konträren Bands. Ein kreativer Tribut an Fugazi und den Wu-Tang Clan, der tatsächlich sogar ein Glanzlicht im aktuellen Hip-Hop Geschehen darstellt und mühelos in die Fußstapfen solcher Großtaten wie Danger Mouse´s ‚Grey Album‚ oder Lushlife´s ‚West Sounds‚ tritt. Die Ingredienzien im Detail:

Dass sich die Produzenten reichlich Mühe gemacht haben, führt bereits der Opener ‚Sleep Rules Everything Around Me‚ vor, für dass sich die beiden Fugazi´s Ballade ‚I`m so tired‚ von Instrument Soundtrack vornehmen und ‚Cash Rules Everything Around Me‚ das Zepter übergeben, während Ian MacKaye über Pianoloops melancholisch croonen darf.
Suicide Surprise‚ zieht das Tempo an, Gravediggaz’s ‚1-800-Suicide‚ und ‚No Surprise‚ verschmelzen zu einer spannungsgeladenen Schlagzeug/Gitarren Hats, die mitten im Song zu Gunsten von Fugazi kippt. ‚Another Chessboxin‘ Argument‘ lehnt sich zu ‚The Argument‚ zurück, obwohl ‚Da Mysteries of Chessboxin‚ RZA hetzt. Für ‚Ghetto Afterthought‚ haben Swiss Andy und Cecil Otter tief gegraben, holen ‚Afterthought‚ aus den Tiefen der Fugazi Discographie, den Rap dazu besorgen Ghostface Killah´s ‚Special Delivery‚ und ‚Ghetto Superstar‚ vom seligen Schwerenöter Old Dirty Bastard. ‚In on the Killtaker‚ steuert für ‚Sweet Release‚ ‚Sweet and Low‘´s flirrenden Gitarren bei, über die Method Man´s ‚Release Yo‘ Delf‚ abgeht. Das eingängige ‚Blueprint‚ Riff gibt in ‚Shame on Blue‚ den Takt vor, den Guy Picciotto aufnimmt und den Refrain zu ODB´s ‚Brooklyn Zoo‚ bereitet: wer da stillhalten kann, kennt keinen Rhytmus. ‚Floating Labels‚ vereint ‚Floating Boy‚ und GZA´s ‚Labels‚. ‚P.L.O. Squared‚ bringt den Funk in die 13 Chambers, Method Man pumpt via ‚P.L.O. Style‚, Fugazi kratzen mit ‚Facet Squared‚. ‚Nowhere to Wait‚ hat dann Fugazi´s größten Hit in der Hinterhand: Über ‚Close Captioned‚ und Gravediggaz’s ‚Nowhere to Run, Nowhere to Hide‚ steigert sich der beste 13 Chambers Song bis zu seinem Finale, in dem RZA in den ‚Waiting Room‚ einbricht und den spektakulären Höhepunkt der Platte ausspielt. ‚Last Dance for the Clientele Kid‘ hat da logischerweise einen schweren Stand, macht ‚Last Chance for a Slow Dance‚ und ‚Clientle Kid‚ dennoch zu einem Festmahl für Raekwon. ‚Killa Hill‚: Inspectah Deck’s ‚R.E.C. Room‚ kollidiert mit dem Anti-Vergewaltigungs Manifest ‚Suggestion‚ der Politik-Punker. ‚Forensic Shimmy‘ macht zum Abschluss dann noch das Partyfach auf, ‚Forensic Scene‚ mag es raw, wenn ODB seinen Kracher ‚Shimmy Shimmy Ya‚ vom Stapel lässt. Großes Kino, das alles und kein Schwachpunkt über knapp 45 Minuten.

Und das vielleicht Beste: Lizenztechnisch lässt sich ein Album wie dieses kaum auf den Markt bringen. Swiss Andy und Cecil Otter gehen deswegen den Weg des geringsten Widerstandes und veröffentlichen ihre grandiose Mash-up Sause einfach übers Internet – und das für lau. Über die Homepage des Projektes darf man sich gratis bedienen. Und staunen: Aus wiederverwerteten Gitarrenlicks und Riffs, pulsierenden Drums und gurgelnden Bässen zimmern die beiden einen spannungsgeladenen Nährboden für die Rapskills des Wu-Tang Clans. Das ist nicht nur unfassbar stilvoll und referenzehrwürdig, sondern tatsächlich unterhaltsamer als ein Gros der aktuellen Geschehnisse der Hip Hop Szene. Da versteht jemand sein Handwerk.

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Comments (1)

  1. Sören5. August 2011 Antworten
    Verdammt gute Review 😀

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