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YOB – Atma

YOB verpassen dem Metal mit ‚Atma‘ einen festen Tritt in die Magengrube. Album Nummer Sechs malträtiert die Sollbruchstelle von Drone und Doom mit fiesestem Sludgeanschlag und Nähe zum Slow-Motion Stoner Rock. Räudiger klangen Mike Scheidt und seine Mitstreiter nie. Dafür lässt auch Scott Kelly von Neurosis gerne die Gitarre dröhnen und zeigt neue Wege auf.

Heavy Metal lebt nicht allein von seiner Geschwindikeit. YOB haben das seit jeher verstanden und nehmen das Tempo nahezu vollends raus. Die Gitarren dröhnen in den dunkelsten Tiefen, während der Bass ohnedies unterirdisch rumort, bis auch die letzte Faser des Körpers efürchtig erzittert. Das Schlagzeug brettert dabei hart an der Grenze zur Minimalgeschwindigkeit. YOB schreiben heftige Stoner Riffs und drosseln diese bis kurz vor jene Grenze, an der Doom und Drone zusammenstoßen. Scheidt grölt dazu heiser mystische Weisheiten aus dem Osten, kryptisch zementiert  in erdrückend walzende Songbrocken, ausgedehnt auf bis zu 16 Minuten. Sowas verlangen dem Hörer alles ab. Alles beim Alten also auf dem sechsten Album der Band, dem zweiten seit dem Comeback von 2009?

Nicht ganz, denn im Detail haben YOB Ergebniskosmetik betrieben. Erst einmal wurde jeglicher Verputz vom Doomgerüst der Band aus Oregon abgeschabt. Räudiger, dreckiger und roher klang noch keine Platte von Scheidt. Die Logik dahinter: Viele von Scheidt´s Lieblingsalben seien derart nah an der Unterproduktion angesiedelt. Weil zu diesen Werken neben Sleep´s Klassiker ‚Holy Mountain‘ auch Neurosis´ Meisterwerk ‚Through Silver in Blood‚ zählt, dürfte für Scheidt auf ‚Atma‚ zudem ein kleiner Traum in Erfüllung gehen. Als erster Gast überhaupt presst sich Kollege Scott Kelly beim Mammutsong ‚Before We Dreamed of Two‚ in die analoge Finsternis und dirigiert YOB für ‚Adrift in the Ocean‚ dann gleich in unbekannte Gewässer. Im bisher ungewöhnlichsten YOB Song überhaupt perlen tonnenschwere Gitarren durch menschenleere Wüsten ehe Kelly Tribal-Rhytmen auftürmt und der Druck steigt und die Hölle losbricht – und das mit der melodiösesten Führung, welche die Band je hervorgebracht hat. Dass da Vergleiche mit den Smashing Pumpkins aufkommen mag absurd klingen, träfe in einem dunkleren Universum jedoch den Nagel auf den Kopf. Denn so hat man YOB noch nie gehört. Damit öffnet sich die Band neue Wege und plötzlich ist man auf Augenhöhe mit der Elite des Post-Metal.

Hinter dem Artwork von Dark Castle Lady Stevie Floyd thront somit eine weitere ehrfurchtgebietende Doomgroßtat. Bestialische Nackenbrecher wie das Riffmonster ‚Prepare the Ground‚ lassen die Erde erzitter, das exzessive Dunkelgitarrenspiel vom Titelsong verstört. Die Stoner Doom Kappelle zementiert hiermit ihren Status als Ausnahmeband und schaffen abermals einen mitreißenden, alles verschlingenden Moloch, der sich transzentativ ins Bewußtsein vorarbeitet. Dazu schüttelt man die Matte, bis man sich vollends darin verliert. „One hundred thousand repetitions recite the mantra, flowers unfold“ predigt Scheidt in einer Sternstunde des Genres. YOB präsentieren Heavy Metal als härteste Meditationsform der Welt.

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Comments (2)

  1. Pingback: Pallbearer - Sorrow and Extinction - HeavyPop.atHeavyPop.at 14. März 2012 […] wandelnde ‘The Inside Room‘, der Esoteric Machtdemonstration und Yob’s räudigem Ausflug in dem Post Metal, steht der altehrwürdige Doom in den letzten Jahren sicher auf den Beinen – und muss […]

  2. Pingback: Yob - Our Raw Heart - HeavyPop.at 3. August 2018 […] Flächen ein, als je zuvor. Irgendwo im Spannungsfeld aus Clearing the Path to Ascend (2014) und Atma (2011) klingen Yob gewohnt massiv, aber eben auch verletzlicher, feinfühliger, intimer, […]

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