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Zu alt, um schön zu sein

So eine Missen-Wahl ist sexistisch, durch und durch. Junge Frauen versuchen in allen möglichen Gewandungen, vom Abendkleid bis zum Badeanzug, die Jury davon zu überzeugen, dass sie es Wert sind, die Schönste im Land genannt zu werden. Fast schon absurd, dass nach Hobbys und persönlichen Zielen gefragt wird, glaubt doch niemand, dass Persönlichkeit und innere Werte eine Rolle spielen.

Da gibt’s auch kein Gramm Fett, aber leider zu unecht, um an einer Miss-Wahl teilzunehmen

Noch absurder ist aber die Rolle der Jury, die bei der Wahl zur Miss Austria 2011 unter anderem aus der „Entertainerin“ Christina Lugner, dem Venenspezialisten Dr. Ernst Wandl, dem Dirketor der Casinos Austria, dem „Glamourprinzen“ Dr. Ferfried von Hohenzollern, dem ATV-Schönheitschirurgen Dr. Jörg Knabl und der schönsten Frau vom letzten Jahr, Valentia Schlager, bestand. Denn die hat anscheinend Spaß daran, sich dieses Spektakel anzusehen und fühlt sich befähigt, zu entscheiden, wer schön genug ist und wer eben nicht. Die elementaren Kriterien sind, wie der ebenfalls 2011 in der Jury vertretene Fotograf Manfred Baumann verrät, die perfekten Maße, Ausstrahlung und Selbstvertrauen. Antreten darf auch nur, wer nicht verheiratet ist – 2009 wurde der Miss Niederösterreich der Titel aberkannt, weil sie verheiratet war. Klar, wen interessiert schon eine verheiratete Frau, die ist ja sozusagen weg vom Markt. Außerdem wird ja die Miss Austria gesucht und nicht Misses Austria.

Carmen Stamboli hat es geschafft, von der fachkundigen Jury als die Schönste im Land ausgezeichnet zu werden. Sie ist knackig, ehrgeizig und sympathisch (news.at), „unsere Carmen“ (oe24.at) ist dieses Jahr offiziell schöner als alle anderen, die „perfekte Miss“ (news.at) eben. Das Problem: sie ist alt. Als Miss Austria hätte sie das Recht, an der Wahl zur Miss World teilzunehmen, News hätte der 27-jährigen „Traumfrau“ gute Chancen zugerechnet, immerhin „gibt’s da kein Gramm Fett!“, sexy sei sie noch dazu, und auf keinen Fall auf den Mund gefallen. Nur, das ist den Miss World-Organisator_innen komplett egal. Denn die haben entschieden, dass Schönheit mit 25 endet. Deshalb dürfen auch nur 17- bis 24-Jährige an der Wahl teilnehmen. Stamboli ist drei Jahre zu alt, in Modeljahren eine halbe Ewigkeit. Jetzt kommt eben der „blonde Ersatz aus Tirol“, Julia Hofer, 19-jährige Vize-Miss Austria, zum Zug.

Alle Hoffnungen, dass die internationale Missen-Organisation „Erbarmen“ (news.at) zeigt, sind dahin. Eine Organisation, die denkt, die Schönste Frau der Welt finden zu können und somit vor Überheblichkeit, Sexismus und Klischeedenken nur so sprüht, hält an einer sinnbefreiten Altersbeschränkung fest – die Welt hat einen Skandal mehr.

Foto: Ningyoboy’s Closet

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